Die Gelfrisur – Ein Look mit Understatement

Überall liest man vom neuen Trend der Gelfrisur, die zusammen mit der Vorliebe für Konservatives – wie den Doppelreiher oder die Hornbrille – Hochkonjunktur hat. Allerdings lässt sich nicht wirklich von einer neuen Mode sprechen, denn diese Art sein Haupthaar zu tragen hat eine lange Geschichte. Nicht Karl-Theodor zu Guttenberg, Leonardo DiCaprio oder Mario Gomez haben sie erfunden sondern schon Gentlemen wie Rudolph Valentino und James Dean trugen sie.

Ein Trend mit Geschichte

Bereits im 18. Jahrhundert wurde Pomade als Haarpflege benutzt. Damals war sie jedoch noch ein Kosmetikprodukt des Adels. In den Goldenen Zwanzigern kam sie durch den italienischen Stummfilmstar Valentino, eines der ersten männlichen Sexsymbole und der erste „Latin Lover“ der Filmgeschichte, auch in der breiten Masse an.

James Dean, der Inbegriff der Nonchalance, ist wohl einer der berühmtesten Gelfrisuren-Träger überhaupt. Er war in den 40er und 50er Jahren mit seinem weißem T-Shirt, der Lederjacke, der zerrissenen Jeans und seinem Haarstyling ein großes visuelles Vorbild für eine ganze Generation.

Da Pomade in der Nachkriegszeit schwer erhältlich war, behalf sich der trendbewusste Mann von damals oftmals mit Butter oder Öl um seine Frisur ausgehtauglich zu gestalten. Dies führte dazu, dass die Gelfrisur das schlechte Image der „Schmalzlocke“ oder des „öligen Haars“ anhaftete.

Zum Ende der 50er Jahre trat mit Elvis Presley ein weiteres Idol auf die Bildfläche. Zusammen mit vielen anderen Künstlern seiner Zeit verhalf er der geschmierte Haartolle wieder zu neuem Glanz. Auch Schauspieler Cary Grant trug sein Haar gegelt, jedoch brachte er durch die elegante sowie zurückhaltende Art sein Haar zu tragen einen Look auf die Leinwand, der Gentleman und Charmeur vereinte.

Spätere Vertreter der Pomadenfrisur waren Filmhelden wie Christopher Reeve als Superman, John Travolta in Grease sowie Michael Douglas als Gordon Gecko in Wall Street. Letzterer verstand es auch in der aktuellen Fortsetzung des Börsenkrimis seinem Look den gewissen „Glanz“ zu verleihen.

Die Imagefrage

Hatte die Gelfrisur zuvor immer einen überwiegend positiven Ruf, so trat mit der Figur des Gordon Gecko in Wall Street ein neues Image zu Tage. Plötzlich war das zurück gegelte Haar der Inbegriff des schmierigen, skrupellosen Börsenmaklers, der zu einer Negativ-Ikone der 80er Jahre wurde.

23 Jahre später kommt das Sequel des Films Wall Street ins Kino und Gecko trägt noch immer, passend zu seinen Luxusanzügen und edlen Schuhen, dieselbe Frisur. Sein Image als fieser Börsenhai blieb seitdem zwar gleich, doch seine Frisur erfreute sich immer größerer Beliebtheit.

Sein Filmkollege Shia LaBeouf trägt die Frisur nicht nur im aktuellen Thriller sondern auch über die Dreharbeiten hinaus. Damit zieht er mit aktuellen Pop- und Filmkulturgrößen wie Robbie Williams, Leonardo DiCaprio und Matthew Mc Conaughey gleich, die allesamt ihre Haarpracht mit Gel bändigen. Doch entgegen des schmierigen Touchs, wirken sie dadurch ernsthafter, erwachsener und ein bisschen mehr gentleman-like.

Der praktische Aspekt

„Gel ist bis heute bei Männern nicht wegzudenken“, sagt auch Star-Friseur Gerhard Meir. Die klare Form schaffe Präsenz, da stehe nichts ab, es gäbe keine Ablenkungsmanöver, da werde nichts dem Zufall überlassen. Und auch Peter Treubel, In-Friseur in Ingolstadt meint: „Top-Leute im Business treten aufgeräumt auf. Das spiegelt sich auch in ihrer Frisur wider. Die ist stringent wie ihre Tagesabläufe durchorganisiert sind.“

Und auch wir kommen zu dem Schluss: das gegelte Haar war nie wirklich aus der Mode, denn es gehört genau wie der Anzug, die edlen Accessoires und die hochwertigen Schuhe zum Outfit eines stilbewussten Herren und Gentleman dazu. Eben ein First-Class-Look mit Understatement.

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Leserbriefe

2 Kommentare

[…] Gekko, die coole Ikone aus den 80er Jahren – gegeltes Haar, Zigarre im Mund und Hosenträger an der edlen Anzughose – wurde zum popkulturellen Helden. Er […]

Antworten

[…] es eilig hat und auf den Föhn nicht verzichten möchte (oder kann), der sollte vorher möglichst Haargel verwenden. Dies schützt die Haare vor der Föhnhitze und die Frisur lässt sich einfach besser in […]

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