Snooker – eine Präzisionssportart

Absolute Ruhe, ein Tisch mit grüner Kammgarn-Tuch-Bespannung, zwei Herren in feinstem Tuch mit Fliege. Das Jackett haben sie jeweils abgelegt und dafür einen Holzqueu in der Hand – Eingeweihten ist es längst klar: Die beiden gut gekleideten Herren spielen eine Runde Snooker.

Snooker ist eine abgewandelte Form des Billards, die sich durch abweichende Regeln, einen längeren Tisch sowie andersfarbige Bälle auszeichnet. Neben der weißen Spielkugel befinden sich 15 rote sowie sechs andersfarbige Kugeln auf dem Tisch, die sich durch ihren Punktwert unterscheiden. Die Grundregel besteht darin, je eine rote und eine farbige Kugel abwechselnd zu versenken. Sind alle Bälle vom Tisch, ist der Frame, also die Spielrunde gewonnen. Gewinner ist derjenige, der mehr Frames für sich verbuchen kann.

Der Name Snooker leitet sich vom englischen Verb snook ab, was übersetzt „behindern“ heißt. Dies bezieht sich auf die Spielsituation, in der das direkte Einlochen oder Anspielen eines Balls durch ein Hindernis nicht möglich oder eben behindert ist.

Ein Spiel, das auf Taktik beruht

Snooker gilt als wesentlich diffiziler als Billard, weil es einen höheren Grad an Finesse und Können verlangt. Dies ergibt sich unter anderem durch die größere Fläche des Tischs, die mehr Präzision beim Stoßen der, im Gegenzug kleineren, Kugeln erfordert. Durch die abgerundeten Zugänge zu den Lochtaschen, die außerdem weiter in die Banden eingezogen und enger als beim Billard sind, wird das Einlochen zusätzlich schwieriger.

Oft sieht der Zuschauer des Spiels Stöße, denen – auf den ersten Blick – kein direkter Sinn zugeordnet werden kann. Diese sind jedoch wichtiger Bestanteil einer Strategie, in der der Gegner mit komplizierten Spielsituationen geplant in Schach gehalten werden soll, um das Spiel in eine günstige Richtung zu lenken.

Ein Sport der Gentlemen

Wohl kaum ein anderer Sport ist derart vom Geist des Gentlemans durchdrungen wie Snooker. Zum einen gilt ein Dresscode, welcher Hemd, Weste und schwarze Fliege vorschreibt. Zum anderen werden die Umgangsformen des Gentlemans in Ehren gehalten. Es gehört zum guten Ton, dass ein Spieler einen eigenen Fehler selbstständig und unverzüglich beim Schiedsrichter anzeigt, sollte dieser nicht bereits bemerkt worden sein. Auch für einen, aus Versehen eingelochten Ball ist eine Entschuldigung beim Gegner fällig. So wurde ein Spieler vom Weltverband mehrere Jahre gesperrt, weil er, durch getarnte Journalisten fingiert, die Bereitschaft zu einem Betrug zeigte.

Ein Versuch, die Schleifenpflicht aufzuheben scheiterte. Seitdem erfordert es ein ärztliches Attest, wenn ein Teilnehmer das Spiel ohne Schleife antreten möchte.

Wer sich dem 1875 in Indien erfundenen Spiel auf eine etwas lockerere Weise nähern will, sollte in einem Billard-Salon starten: Oft gibt es auch dort die Möglichkeit, Snooker ganz entspannt bei einem Glas Bier an entsprechenden Tischen zu spielen – ganz ohne Dresscode zwar, aber bitte gentlemanlike, wenn es um Fair Play geht!

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Ein Kommentar

[…] heute als absoluter Gentleman-Sport. Ähnlich ist es mit Snooker, einer Variante des Billards. Für Snooker gibt es eine spezielle Kleiderordnung: Alle Spieler müssen in Anzug mit Fliege antreten und beim […]

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