Ostern und seine skurrilen Bräuche

Bald ist es wieder so weit. Eine weit verbreitete Tradition in unseren Landen wird wieder zelebriert: Eier anstechen, ausblasen und danach bunt anmalen. Oder die Eier werden einfach mit Lebensmittelfarbe gefärbt und gekocht. Aber wie sehen eigentlich, neben unseren Mythen und Bräuchen, die Osterbräuche der restlichen Welt aus?

Zum Osterfest wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert und dies macht Ostern damit zum höchsten Fest der Christen. Gerade in den sehr stark katholisch geprägten Ländern wie Italien, Spanien und den Ländern Südamerikas gibt es viele Osterprozessionen. Erst eine Woche später, aber mindestens genauso christlich verwurzelt, feiern dann die orthodoxen Christen aus Griechenland und Russland Ostern. Weltweit gibt es ganz unterschiedliche Bräuche dieses Fest zu begehen, sei es in christlicher Tradition oder durchaus auch mit heidnischen Aspekten.

Mythos Meister Lampe

Auch wenn der Osterhase erstmals seine Erwähnung 1682 im Elsass findet, hat er erst durch die industrielle Fertigung von Schokohasen seinen Siegeszug angetreten. Vorher wurden in Deutschland die Ostereier vom Hahn über den Storch bis hin zum Fuchs gebracht. In Australien musste der Osterhase seine heutige Monopolstellung jedoch wieder aufgeben und wurde aufgrund seiner eingeschleppten gefräßigen Verwandten, den Kaninchen, von seiner Botenaufgabe entbunden. Stattdessen besetzte man seine Rolle mit den vom Aussterben bedrohten Bilbies, die seitdem den Osterhasen in Australien erfolgreich verdrängt haben.

Während der Osterhase Eier für die Kinder versteckt und viele Menschen das Fest ganz traditionell christlich begehen, gibt es auch bei uns heidnische Osterbräuche wie das Osterfeuer oder die Osterräder. Das Osterfeuer diente traditionell dazu den Winter und die bösen Geister zu vertreiben. Die riesigen Feuerräder aus Reisig, die vor allem in den Alpen in die Täler gerollt werden, haben eine ähnliche Tradition und symbolisieren die Sonnenscheibe, die Licht bringt und die Dunkelheit vertreibt.

Osterbräuche in Europa

Auch die Schotten entzünden nach altem keltischen Brauch überall auf den Hügeln der Highlands Osterfeuer. Andere europäische Städte legen weniger Wert auf die Beleuchtung durch große Feuer, haben dafür ganz andere spezielle Bräuche in petto. In Frankreich bleiben traditionell die Kirchenglocken im Land stumm und werden erst am Ostersonntag wieder geläutet. Angeblich fliegen die Glocken nach Rom um den Papst zu besuchen und bringen auf dem Rückweg die Ostereier mit. In Bulgarien werden die Eier nicht versteckt, sondern man bewirft sich damit. Derjenige, dessen Ei nicht zerbricht, soll erfolgreichstes Familienmitglied des Jahres werden. Einem ganz besonderen Schauspiel kann man jedes Jahr am Gründonnerstag gegen 22 Uhr in Spanien in der katalonischen Stadt Verges beiwohnen. Hier tanzen Männer als Skelette verkleidet durch die schmalen Gassen des Städtchens.

Während zu Ostern doch eher die Süßspeisen überwiegen, wird in Italien traditionell eine herzhafte Ostertorte mit gekochten Eiern und Spinat gegessen. Um gleich beim Essen zu bleiben: in dem kleinen englischen Ort Olney gibt es seit über 500 Jahren einen ganz besonderen Osterbrauch. Am Gründonnerstag findet Jährlich der „Pancake Thursday“, ein Pfannkuchen-Rennen, statt. Ein anderer skurriler Osterbrauch findet an manchen Orten Irlands statt. Hier werden sogenannte Heringsbegräbnisse durchgeführt. Sie symbolisieren das Ende der strengen Fastenzeit, an der Heringe eine der Hauptmahlzeiten sind.

In Schweden werden mit Feuerwerkskörpern, viel Lärm und Osterfeuern die bösen Hexen verjagt. Die treffen sich nämlich am Osterwochenende angeblich am Blåkulla, dem schwedischen Brocken, mit dem Teufel. Während man in Finnland Freunden und Verwandten mit Birkenruten auf den Rücken schlägt um diesen Glück zu bringen, haben die Norweger eine noch komischere Art und Weise das Osterfest zu begehen. Traditionell wandert man hier in die Berge und die schneebedeckten Gebiete. Der Ursprung hierfür liegt in einer alten Volkssage über die Entstehung der Norweger: Als am Ende der letzten Eiszeit, die Gletscher begannen sich zurückzuziehen, ein geistig minderbemittelter Stammesangehöriger hinter den Gletschern hergelaufen sei, endete er schließlich in Norwegen. Der erste Norweger war demzufolge ein Depp und alle Nachkommen tun es ihm gleich und steigen dem sich im Frühjahr zurückziehenden Eis nach, anstatt sich über das Ende des langen kalten Winters zu freuen.

Ostern in Übersee

Die Amerikaner feiern Ostern ganz typisch nach der Mitteleuropäischen Tradition. Am Ostersonntag allerdings verwandelt sich die New Yorker Fifth Avenue in eine große Festmeile, um mit blumengeschmückten Wagen und prachtvollen und ausgefallenen Hüten die traditionelle Easter Parade abzuhalten. Im Garten des Weißen Hauses findet jedes Jahr zu Ostern seit über 100 Jahren das „White House Easter Egg Roll“ statt. Dort werden dann, in dem zur Spielwiese umfunktionierten Garten, dutzende Eier mit Esslöffeln den Hang herunter gerollt. Als Dankeschön bekommt jeder Teilnehmer ein handsigniertes Holzei vom Präsidenten und der Firstlady überreicht.

Auch auf den Philippinen gehört neben dem Osterhasen und den bunten Eiern ein komischer Brauch fest zur Tradition. Die Eltern halten ihre kleinen Kinder am Kopf in die Höhe in der Hoffnung, dass sie dadurch besser wachsen. Wer nun der Meinung ist, getrost auf die bunten Eier verzichten zu können und sich etwas Abwechslung wünscht, kann doch stattdessen einfach einen der zahlreichen anderen Osterbräuche ausprobieren. Sie sollten Ihre Mitmenschen allerdings über Ihre neue Probierfreudigkeit in Sachen Osterbräuche vorwarnen, denn außerhalb von Bulgarien sehen es viele gar nicht gern mit Eiern beworfen zu werden!

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