Durch Norwegen mit dem VW-Bus Teil 2

Nachdem wir im ersten Teil der Reise den südlichsten Punkt Norwegens besucht hatten, von einer 604 Meter hohen Felskanzel die Beine baumeln und bei regelmäßigem Regen die Impressionen diverser Wasserfälle und Felsformationen auf uns wirken ließen, führt unser Weg immer weiter in nördliche Gefilde und dem Polarkreis entgegen.

Schnee und Geröll soweit das Auge reicht

Langsam steigt die Straße an und führt über Passstraßen durch schneebedeckte Weiten und Gerölllandschaften zum eigentlichen Ziel unserer Etappe, den Jotunheimen-Nationalpark mit dem höchsten Berg Skandinaviens dem Galdhøpiggen mit 2.469 Metern über dem Meeresspiegel. Nach einer vergeblichen Wanderung, die auf Grund des Ende Juni noch zu hohen Schneeaufkommens und einer nicht geeigneten Ausrüstung scheitert, beschließen wir diese verschneiten Höhen zu verlassen und Trondheim als letzte große Stadt auf unserer Reise anzusteuern.

In Trondheim steht der imposante Nidarosdom, in dem noch heute der König Norwegens gekrönt wird. Zudem war Trondheim um 1000 die Hauptstadt Norwegens und der Wohnsitz des Königs, der hier immer noch seine Stiftsgården Residenz hat, welche zu den bedeutendsten Holzbauten Skandinaviens gehört. Nach einer ausführlichen Stadterkundung und einem gemütlichen Spaziergang an der Flussmündung in den Trondheimfjord machen wir uns auf den Weg zum Polarkreis.

Bei unserer weiteren Reise folgen wir der berühmten Küstenstraße Rv.17 durch Nordland. Vorbei an zerklüfteten Felsen, Fjorden, Wäldern und dem Meer führt uns unser Weg nach Mo i Rana. Da wir allerdings vorherige Nacht unangenehme Bekanntschaft mit uns bis dato unbekannten Insekten gemacht hatten, kontaktieren wir hier zuerst die Heimat und eine Apotheke. Nach eher schwieriger Fern- und Amateurdiagnose und der Möglichkeit eines im Bus Station machenden Flohzirkus, entscheiden wir uns für drastische Mittel. An einer Tankstelle wird der Bus geräumt, gesaugt und bekommt die volle Chemiekeule, in der Hoffnung, dass der Zirkus jetzt weiterzieht oder dem Gasangriff zum Opfer fällt.

Wunderschönes Lichtspiel in Türkistönen

Befreit von der Plage überqueren wir per Fähre, was übrigens die gefühlte 20ste auf unserer Reise ist, den Polarkreis und nächtigen nahe dem Svartisen-Gletscher, der am morgigen Tag unser nächstes Ziel sein wird. Bei herrlichstem Sonnenschein und voller Vorfreude fahren wir mit einem kleinen Boot über den Fjord um eine drei Kilometer lange Wanderung über die beeindruckende Anfangsmoräne an den Fuß des Gletschers zu machen. Hier angekommen stehen wir direkt an der Gletscherzunge an der Bruchkante und kommen vor lauter sich uns bietender durch die Naturgewalt Schönheit nicht mehr aus dem Staunen raus. Dies ist auf jeden Fall das absolute Highlight unserer Reise und wird uns für immer in wundervoller Erinnerung bleiben.

Irgendwie scheint der Regen uns neuerdings gut gesinnt zu sein und verschont uns. Bei herrlichem Wetter machen wir uns auf zur letzten Station unserer Norwegenreise. Wir fahren von Bodø vier Stunden lang mit der Fähre zu den Lofoten und das Ganze, ohne dass die Sonne untergeht, geschweige denn, dass sie den Horizont auch nur berührt.

Nach drei Stunden tauchen die Lofoten in Nebel und Dunst gehüllt am Horizont auf. Nun versteht man auch, warum Tolkien sich hier für die Landschaft in seinem Welterfolg „der Herr der Ringe“ inspirieren ließ. Schon bei der Ankunft weht uns neben dem Meeresgeruch ein kräftiger Fischgeruch um die Nase und bei unserer Fahrt von Insel zu Insel hängen vielerorts die typischen Stockfische, die bis nach Spanien exportiert werden. Auch wenn der Touristenansturm auf Grund der ungewöhnlich schönen Landschaft durchaus verständlich ist, wäre es hier noch viel schöner mit nur einem Bruchteil der Touristen.

Fazit

Nach drei Tagen erreichen wir wieder Festland, sagen Norwegen hinter Narvik auf Wiedersehen und setzen unsere Reise in Schweden fort. Was bleibt ist die Erkenntnis, dass es auch in Norwegen keine wirkliche Wildnis mehr gibt, man der Natur aber nur an wenigen Orten Europas so nah kommt und selten anderorts so eine angenehme Ruhe findet. Die Mischung aus Wasserfällen, Fjorden, Schneelandschaften und Wäldern wird vermutlich nur schwer zu toppen sein. Und auch wenn die Norweger manchmal ein recht komisches Völkchen sind, waren sie trotzdem immer sehr nett und hilfsbereit, wenn auch höflich distanziert.

Übrigens der Klappspaten kam natürlich wie zu erwarten nicht zum Einsatz und diverse andere Dinge, mit denen wir vorsichthalber den Bus schwer beladen hatten, wurden genauso wenig benötigt.

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