Lost in Grub Street – die Bar ohne Bar

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In Berlins Mitte, etwas abseits der gängigen Ausgehstraßen, findet sich in der Jägerstraße unweit es Gendarmenmarkts die vor einigen Wochen eröffnete Bar ‚Lost in Grub Street‚. Die Betreiber sind nicht gänzlich neu in der Szene, denn Oliver Ebert ist bereits seit einigen Jahren mit der Bar ‚Becketts Kopf‚ in Prenzlauer Berg aktiv.

Die Straße ist leer, das große Fenster abgehängt, an der Tür findet sich die fast schon obligatorische Klingel, wie sie allzu häufig auch in vergleichbaren Bars zum Einsatz kommt. Anders als im mittlerweile sicher nicht mehr als Geheimtipp geltenden Butcher’s auf der Torstraße erfolgt aber keine willkürlich wirkende Einlasskontrolle. Stattdessen werden wir nahezu sofort höflich hereingebeten. Es steht zu hoffen, dass dies auch mit steigendem Bekanntheitsgrad so bleibt. Kaum eingetreten umfasst uns die sehr gedämpfte Atmosphäre. Gedimmtes Licht, stoffbezogene Bänke und Sessel, leise Musik und statt aufgeregten Gesprächen fast nur ein leises Flüstern – hier dominiert nicht die Party, sondern der Genuss. Der Raum ist in gedeckten Farben gehalten und es fehlt: die Bar. Aber dazu gleich mehr.

Zuerst werden wir freundlich begrüßt und mit Wasser versorgt, dann wird uns das von den Gründern erdachte Konzept erklärt. Basil Smash, Negroni, Rusty Nail – man wird sie hier auf der Karte nicht finden. Stattdessen basieren die Namen der Kreationen ausschließlich auf den zu erwartenden Aromen und sind dann als Birne–Waldhonig–Weinsäure oder Yerba-Mate–Waldhimbeere auf der Karte aufgeführt. In Ergänzung zu diesen ‚Short Drinks‘ stehen außerdem sogenannte ‚Big Bowls‘ zur Auswahl. Dahinter verbirgt sich komplex gemischter Punch, serviert in silbernen Tischschalen, für den gemeinsamen Genuß. Darüber hinaus gibt es Bier, Champagner und sogar eine kleine Essensauswahl. Pate für die Vorauswahl des Champagners stand offenbar der Sommelier Billy Wagner, der selbst erst vor einigen Wochen das wenige Luftmeter entfernte Restaurant Nobelhart & Schmutzig eröffnet hat. Ob sein Rat sich bewährt hat, werden wir aber erst beim nächten Besuch testen können, dieses Mal blieben wir bei den Short Drinks.

Nach der Bestellung löste sich auch das Rätsel der fehlenden Bar. Vermutlich zwecks effizienterer Nutzung des Raums sind alle Spirituosen, Destillate, Bitters und das sonstige Handwerkszeug das Barkeepers auf einem großen Barwagen arrangiert, der direkt zu uns an den Tisch geschoben wurde. Wie praktikabel dies sein wird, wenn die Bar bis auf den letzten Platz besetzt ist, wird sich zeigen – wir beobachteten zumindest interessiert die demonstrierte Barkunst. Die wird im ‚Lost in Grub Street‘ nicht dem Gefühl oder gar dem Zufall überlassen. Jeder Bestandteil des Drinks wird abgewogen, die Temperatur des Drinks gar mit einem Infrarotthermometer überwacht. Ein bisschen Show? Vermutlich. Ein Nachteil für die Qualität? Sicher nicht. Die Drinks überzeugten mit spannenden Aromen bei Preisen, die nicht günstig, in diesem Segment aber sicher angemessen sind.

Wir waren nach diesem ersten Besuch durchaus angetan und werden sicher einen zweiten Besuch wagen. Den Machern ist zu wünschen, dass ihr Konzept ausreichend Gäste in diese wenig exponierte Lage zieht.

Lost in Grub Street
Jägerstraße 34
10117 Berlin
http://lostingrubstreet.de

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