Lacrosse – kleiner Bruder des Krieges

Zwei Indianerstämme Nordamerikas, insgesamt um die hundert Personen, stehen sich auf einer Ebene gegenüber und spielen Baggataway, auch Tewaraathon genannt. Gespielt wird mit einem Ball und Schlägern auf Bäume, die als Tore dienen. Das Spiel selbst wird dem Kriegsgott geweiht und dient der Kriegsvorbereitung. Es ist durchaus möglich, dass nicht alle Anwesenden den Tag heil überstehen werden und ein Teil wird das Licht des nächsten Tags nicht mehr erblicken.

Heute nennen wir dieses Spiel Lacrosse und nachdem es im 20. Jahrhundert fast gänzlich verschwunden war, erfreut es sich nun wieder steigender Beliebtheit. Der Ursprung des Spiels geht auf die Indianer der Ostküste und der Großen Seen Nordamerikas zurück und gilt heute als Nationalsport Kanadas. Das ursprüngliche Spiel wurde wie bereits erwähnt unter anderem zur Kriegsvorbereitung und zur Stärkung des Teamgeists genutzt, diente aber auch noch anderen Zwecken.

Spirituelle Spiele

Einer indianischen Legende zufolge, war es der Schöpfer, der den Lebewesen das Spiel Lacrosse schenkte, damit die Waldtiere gegen die Vögel spielen konnten. Der dafür benötigte Spielball war der Mond.

Für die Ureinwohner Nordamerikas war Lacrosse ein spirituelles Spiel und diente neben der Teamgeistförderung dem Anrufen des Schöpfers, wenn ein Stammesmitglied krank war. Jeder durfte dieses Ritual ausrufen und jeder durfte mitspielen. Zusätzlich diente das Spiel der Beseitigung von Stammesfehden und Streitigkeiten zwischen Gruppen, welche häufig blutig oder mit dem Tode endeten. Begleitet waren die spirituellen Spiele von heidnischen Tänzen und Wetten. Das für französische Missionare teuflisch anmutende Spiel wurde auf Grund seiner verwendeten hölzernen Stöcke und deren Ähnlichkeit zum Bischofsstab in seiner ersten Erwähnung 1636 „La Crosse“ genannt. Bis die Weißen sich für das Spiel interessierten, sollten allerdings noch 200 Jahre ins Land ziehen.

Vom ersten Montréal Lacrosse Club zur olympischen Disziplin

Um 1850 wurde in Montreal von Franzosen der erste Lacrosse Club gegründet und offizielle Regeln eingeführt. Seinen Siegeszug startete der Sport dann in den Jahren 1867 bis 1878, in denen sich der Sport in Kanada und dann auch in den USA, in England und Neuseeland verbreitete.

Um die Jahrhundertwende war Lacrosse so groß, dass es 1904 und 1908 sogar olympische Wettkampfdisziplin war. Bei den Spielen 1928, 1932 und 1948 war Lacrosse immerhin noch Demonstrationssport, verschwand danach aber wegen geringem Interesse und vielleicht auch auf Grund dessen, dass es nur sehr wenige Indianer gab, die in der kunstvollen Anfertigung der Schläger bewandert waren. Erst mit der Einführung eines Schlägerkopfes aus Kunststoff und der daraus resultierenden erhöhten Produktion gewann der Sport wieder an Popularität. 1987 wurde dann in den USA und in Kanada die erste Lacrosse Profiliga gegründet.

1993 wurde dann auch in Deutschland der erste Lacrosse Verein von ehemaligen deutschen Austauschstudenten gegründet. Den Verein Blax „Berlin Lacrosse“ gibt es immer noch und er umfasst immerhin über 100 Mitglieder. Später wurden auch in anderen großen Städten Deutschlands Lacrosse Vereine gegründet. Unsere heutige Form des Lacrosse ähnelt stark der Variante der Irokesen, die seit 1990 bei Weltmeisterschaften sogar als eigene Nation vertreten waren.

Spielregeln und Zubehör

Beim Lacrosse gehören ähnlich wie beim Eishockey gewisse Schutzutensilien zum Equipment. Zur geringsten Ausrüstung gehört ein Helm mit Gitter, Armschoner und Handschuhe. Häufig wird noch ein Schulter- und Rippenschutz sowie ein Beißschutz und ein Suspensorium getragen. Hinzu kommt dann noch der spezielle Lacrosse-Schläger mit Fangnetz.

Prinzipiell ist Lacrosse eine Ballsportart, bei der zwei Mannschaften mit je zehn Spielern gegeneinander antreten und versuchen mit dem Netzschläger den Ball ins gegnerische Tor zu schleudern. Gespielt wird 4 x 20 Minuten. Das Spiel gilt ähnlich wie Eishockey als eines der schnellsten Mannschaftssportarten und es ist genauso erlaubt den Gegner mit Körper und Schläger umzuchecken. Aber auch für die Checks gibt es klare Regeln, so darf man zum Beispiel mit dem Schläger nur den gegnerischen Schläger und die Unterarme treffen. Außerdem muss ein Check immer darauf abzielen den Ball zu bekommen.

Bei wem jetzt Interesse an Lacrosse geweckt wurde und wer in einer der deutschen Großstädte wohnt, kann ja einfach an einem der Schnuppertrainings bei einem der deutschen Lacrosse Vereine teilnehmen. Neue Sportbegeisterte und interessierte Menschen sind nämlich immer herzlich willkommen.

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Leserbriefe

2 Kommentare

Philipp #

26. Mai 2011 // 10:14

tolle Sportart…hab ich an der Universität auch mal für ne Weile gespielt..aber gegen Fussball kommt es einfach nicht an:>

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[…] 1: Lacrosse, wer es nicht kennt, kann sich hier bei Herrenmode schlau lesen. Lacrosse war ursprünglich eine Vorbereitung der nordamerikanischen Ureinwohner auf den Krieg. […]

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