Es werde Grün!

Nicht erst durch erschreckende Meldungen über verseuchte Lebensmittel, die zu lebensbedrohlichen Krankheiten führen können, oder über Genmanipulation in der Nahrungsmittelindustrie ist der Wunsch nach natürlichen Produkten und grünen Oasen – ohne jegliche Schadstoffe – gerade bei Großstädtern größer denn je.

Umgesetzt wird dieser Wunsch auf ganz unterschiedliche Weise. Sei es durch die gute alte Schrebergartenverordnung, vor der jedoch gerade die jüngeren Generationen mehr und mehr zurück schrecken oder durch das sogenannte Guerilla Gardening. Letzteres ist aus einer politisch motivierten Protestform entstanden, die ihre Ursprünge in Großbritannien und den USA hat. Die heimlichen Aussaaten durch beispielsweise Samenbomben oder Überraschungspflanzungen an öffentlichen Plätzen dienten, neben der Verschönerung dieser Stellen, auch dem symbolischen Zurückerobern der Städte und öffentlichen Flächen.

Weltweit Aufsehen erregte die am 1. Mai 2000 stattgefundene Guerilla Gardening-Aktion am Parliament Square in London, bei der sich Umweltaktivisten und Globalisierungskritiker mit Gartengerät „bewaffnet“ trafen um wie sie sagten „die Straßen zurück zu erobern“. Sie gruben den Platz öffentlichkeitswirksam um und bepflanzten ihn zum Protest.

Zurück zur Natur

Der Wunsch nach grünen Rückzugsorten, naturbelassenen Flächen oder gar biologisch angebauter Selbstversorgung – und das alles ohne auf das Leben in der Großstadt zu verzichten – muss jedoch nicht immer einen politischen Protest als Hintergrund haben. Die Lebensmittel werden schlichtweg teurer, ihre Herkunft ungewisser und die Folgen der chemischen Behandlung der Pflanzen immer verheerender. Außerdem wird niemand behaupten können, sich in einer Betonwüste besonders wohl zu fühlen.

So etablieren sich in großen Städten zunehmend Bewirtschaftungsformen wie mobile Gärten, in denen alles in Kisten und beweglichen Gegenständen eingepflanzt ist, damit bei Räumung des Grundstücks alles sicher an einen neuen Standort gebracht werden kann, Gemeinschafts- oder Mietgärten, bei denen die Pflanz- und Pflegeanleitung gleich mitgeliefert wird, oder mehr oder weniger legal angebaute Dachgärten. Auch die Ergebnisse der ausgeworfenen Samenbomben – die es mittlerweile bereits fertig zu kaufen gibt – tragen blühende Früchte und verschönern ödes Brachland oder schwer zugängliche Flächen.

Der Trend Bio

Die Nachfrage nach ökologisch sinnvollem und naturbelassenem Anbau weitet sich zunehmend auch auf die Nachfrage nach alten oder und vor allem regional typischen Lebensmittelsorten aus. Vielfalt ist gefragt und nicht die vorgegebene Beschränkung auf beispielsweise drei Apfelsorten im Handel. Deshalb nimmt auch die Verbreitung sogenannter Mietgärten zu, in denen ein Beet für die Aufzucht von Obst und Gemüse für den Eigenbedarf gepachtet werden kann und neben dem Effekt der Vitaminversorgung auch noch einen pädagogischen Nutzen für Groß und Klein erfüllt.

Aber nicht nur bei Lebensmitteln wird biologischer Anbau oder naturbelassene Bewirtschaftung immer beliebter, sondern selbst in der Kunst. Graffitis aus Moos sind nämlich zur Abwechslung mal keine Verschandlung der Häuserfassaden, sondern werten triste Plätze und verwitterte Wände auf kreative Weise auf. Das Rezept dahinter ist ganz einfach: eine Hand voll gesammeltes Moos mit Joghurt oder Buttermilch und etwas Zucker verrührt und zu einer halbflüssigen Masse gemixt, wird mit einem Pinsel auf eine im Idealfall feuchte Oberfläche aufgetragen. Mehrere Künstler weltweit haben auf diese Weise bereits witzige oder poetische Kunstwerke geschaffen. Einige können Sie hier bewundern.

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