E-book kills the paperback star?

Bei dem Wort E-Book kräuseln sich manch eingefleischtem Bücherwurm die Zehennägel nach oben. Andere reden bereits von einem Umbruch auf dem Buchmarkt. Die Verkaufszahlen für E-Books auf dem amerikanischen Markt sprechen eine immer deutlichere Sprache. In Deutschland hapert es noch mit der neuen Generation des Buches. Müssen wir uns trotzdem bald vom guten alten Wälzer in unserem Bücherregal verabschieden?

Lesen elektronisch

Elektronisches Lesen – klingt erst einmal ziemlich paradox, ist aber mittlerweile alles andere als eine ferne Zukunftsvision, sondern Realität. Und die hat vor allem einen Namen: Kindle. Das Gerät von Amazon gilt als Bruce Willis unter den Geräten, die eigens hergestellt wurden, um damit Bücher, Zeitungen und Zeitschriften in Dateiform herunterzuladen und zu lesen. Ein Buch wird dabei mit all seinen medientypischen Eigenschaften in digitaler Form verfügbar gemacht: Inhaltsverzeichnis, Umblätter-Funktion, Buchseitenoptik und Lesezeichen gehören zum digitalen Leseerlebnis dazu. Der Kindle hat sich mit seiner ausgereiften Technik einen Platz vor Konkurrenten von Sony, Acer und sogar Apple errungen.

Digital ist besser? Digital ist anders.

2011 war es soweit: In den Monaten April und Mai verkaufte Amazon in den USA erstmals mehr E-Books für seinen Kindle-Reader als Papierausgaben von Büchern – eine Entwicklung, die man kaum mehr ignorieren kann, am wenigsten die Buchverlage. Ob das gefällt oder nicht, darüber lässt sich streiten. Bücherwürmer mit Tintenherz verweisen auf die jahrhundertealte typographische Tradition, die mit einem Schlag an Bedeutung verliert: E-Books werden auf E-Book-Readern im sogenannten epub-Format gespeichert. Die Texte werden der Displaygröße flexibel angepasst und ein Seitenumbruch beispielsweise kann so von Gerät zu Gerät völlig unterschiedlich sein.

E-Books and friends

E-Book-Reader-Besitzer wissen die Vorzüge der neuen Technologie längst zu schätzen: Mit seinen 3GB Speicherplatz kann man mit dem Kindle eine ganze Bibliothek in der Tasche mit sich herum tragen und weltweit beliebige Bücher in Sekundenschnelle abrufen. Die Reader werden immer leichter und bieten immer mehr Speicherplatz. Auch Leserattenaugen dürften sich über eine Lektürestunde am Bildschirm freuen, denn im Gegensatz zum PC-Bildschirm kommt ein E-Book-Reader-Bildschirm ohne Hintergrundbeleuchtung aus; die Augen ermüden weniger schnell und die Akkulaufzeit erhöht sich enorm.

Umblättern oder lieber Umschalten?

Ein klares Ja für das E-Book als Medium der Zukunft? Gegen den Charme einer Goethe-Gesamtausgabe, bei der sich schmuckvolles Hardcover an Hardcover im Bücherregal schmiegt, kann ein Flachbildschirm im Taschenformat sicher nicht viel ausrichten. Das Buch mit seinen haptischen Eigenschaften, das dem Lesen so ureigene Umblättern der Seiten kann auf dem Bildschirm nur ansatzweise optisch imitiert werden. Und auch buchtypische Merkmale wie Bindung, Papierart und –stärke lassen sich mit Computertechnologie nicht wiedergeben. E-Book-Groupies betonen die Eigenständigkeit des Mediums. Um den Inhalt gehe es, nicht um die Form. Da haben sie wohl recht.

Nachholbedarf hierzulande

Die unkomplizierte Handhabung, die hohe Speicherkapazität und die damit verbundene enorme Ersparnis an Platz sind eben nicht zu übersehen. Ein Manko bis heute ist die Bandbreite der angebotenen E-Books. Für die Verlage ist die Umstellung mit einem enormen logistischen Aufwand verbunden. Zwar bietet Amazon mittlerweile über 650.000 E-Books zum Download an, davon sind jedoch nur etwa 25.000 in deutscher Sprache – hier gibt es noch riesigen Nachholbedarf. E-Books setzen deutsche Verlage außerdem vor allem unter den Druck, von der Buchpreisbindung abzuweichen: Im globalen Datenverkehr spielen nationale Regeln keine Rolle mehr und Kunden sind schnell geneigt, die für sie günstigsten Angebote wahrzunehmen und auf Anbieter aus dem Ausland zuzugreifen oder gar auf kostenlose illegale Quellen im Netz.

Im Zeitalter von E-Books, E-Papers, Print on Demand und Kindle-Euphorie wandeln sich die Bedingungen der Buchproduktion grundlegend. Für Buchhandel und Verlage heißt es nun, neue Strategien und Geschäftsmodelle zu entwickeln: Bücher könnten im Rahmen der neuen E-Book-Entwicklung kapitelweise verkauft werden, Aktualisierungen könnten im Abonnement angeboten werden, Klassiker-Sammlungen als Komplettpakete angeboten werden.

Bis es jedoch soweit ist, können Sie ja noch verträumt dreinblickend mit den Seiten Ihrer Bücher rascheln. Oder Sie blicken der Zukunft ins Auge und bestellen Ihr erstes E-Book. Wie wäre es mit einem Klassiker wie zum Beispiel „Alice im Wunderland“? Die meisten Klassiker stehen als E-Book kostenlos zur Verfügung, da die Urheberrechte mittlerweile erloschen sind. Na das sind doch mal positive Nachrichten.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Leserbriefe

Keine Kommentare

Noch keine Kommentare oder Backlinks.

RSS-Feed zu diesem Beitrag