Dead Drops vs. Socialmedia

Die moderne Interpretation des toten Briefkastens befindet sich weiter auf dem Vormarsch und sorgt hoffentlich für reichlich Datenwirbel in der digitalen Welt der modernen Medien. Unter dem Deckmantel der Anonymität bietet diese Form des Datentausches, bis auf die Gigabyte Beschränkung, unbegrenzte Möglichkeiten.

Entsprungen ist die Idee dem kreativen Kopf des Berliner Künstlers Aram Bartholl während seines New York Aufenthalts. Die ersten fünf sogenannten Dead Drops hatte er gegen Ende des letzten Jahres unter anderem in eine New Yorker Wand eingemauert. Seitdem stieg die Zahl der Aktivisten und der Dead Drops kontinuierlich, wie man auch auf seinem Blog oder auf der Dead Drop Twitter-Seite mit verfolgen kann.

Von der Kunstaktion zur Popkultur

Während es im Februar noch 188 an der Zahl waren, gibt es inzwischen über 400 Dead Drops mit einer gemeinsamen Speicherkapazität von über einem Terabyte in der ganzen Welt. Hauptsächlich noch in Europa und den Vereinigten Staaten, aber auch auf allen anderen Kontinenten finden sich mittlerweile diese modernen toten Briefkästen. Die Liste reicht von Kurland in Südafrika und La Réunion über Beijing in China und Tasmanien bis nach Guayaquil in Ecuador.

Die Idee dahinter ist nicht Computerviren zu verteilen, oder möglichst viele verbotene Dateien zu tauschen. Stattdessen hat jeder die Möglichkeit sich an diesen in die Wand gemauerten oder anderweitig im freien Raum platzierten USB-Sticks anzuschließen, Daten darauf zu spielen, Daten runter zu kopieren und somit an einer Art Offline-Datentauschbörse teilzuhaben. Auf gewisse Weise bilden die Dead Drops damit einen Gegenpol zu unserer nicht mehr wegzudenkenden Internetwelt.

Was genau auf den Dead Drops geschieht hat Aram Bartholl nicht im Blick und das ist auch nicht der Sinn der Aktion. Genauso gehört die Anonymität, und die Suche nach den Dead Drops an Hand von Bildern, zum Abenteuer. Allerdings gibt es ein vom Begründer entworfenes Manifest, welches eine Art Kurzbeschreibung darstellt. Auf www.deaddrops.com ist es in verschiedenen Sprachen zu finden und sollte auf jedem neu angebrachten Stick gespeichert werden.

Das ‚Dead Drops‘ Manifest

‚Dead Drops‘ ist ein anonymes, offline Peer-to-Peer File-sharing Netzwerk im öffentlichen Raum. Jeder hat Zugriff auf einen ‚Dead Drop‘ und jeder kann einen Dead Drop in seiner Stadt/Nachbarschaft installieren. Ein ‚Dead Drop‘ muss öffentlich zugänglich sein. Ein ‚Dead Drop‘ in geschlossenen Gebäuden oder auf Privatgrundstücken mit eingeschränktem oder zeitlich begrenztem Zutritt ist kein ‚Dead Drop‘. Ein echter ‚Dead Drop‘ bindet sich als les- und beschreibbares Wechsellaufwerk in jeder Betriebssystemumgebung ein und benötigt keine spezielle Software. ‚Dead Drops‘ müssen nicht synchronisiert werden und/oder miteinander in Verbindung stehen. Jeder ‚Dead Drop‘ ist einzigartig. Ein besonders schöner Dead Drop zeigt nur den metallenen Type-A USB Stecker und ist in eine Mauer einzementiert, so dass man ihn kaum bemerkt. Dead Drops brauchen keine Kabel oder Funktechnologien. Für Offline File-sharing muss man in Kauf nehmen auf der Erde zu Knien oder sich die Jacke an der Wand dreckig zu machen. Ein Dead Drop ist ein einfaches, passiv mit Strom versorgtes, Stück USB-Technologie, das der Stadt, dem einzigem wahrem öffentlichem Raum injiziert wird. In einer Zeit mit wachsender Bedeutung von Cloudcomputing und ‚tollen‘ neuen Geräten ohne Zugriff auf lokale Dateien müssen wir die Freiheit und die Verteilung von Daten neu überdenken. Die Dead Drop Bewegung ist auf dem Weg dies zu ändern!
Befreie deine Daten für die Allgemeinheit in Zement! Installiere noch heute deinen eigenen Dead Drop! Befreie deine Daten aus der Cloud, jetzt!

Aram Bartholl 2010

Auch in der Hauptstadt gibt es inzwischen mehrere Dead Drops, also halten Sie die Augen und USB-Anschlüsse offen oder schnappen Sie sich einfach Ihren eigenen USB-Stick und ein bißchen Zement und schafft Sie einen weiteren Dead Drop.

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