Der Berliner Mauerpark – Buntes Spektakel auf geschichtsträchtigem Grund

Inmitten der deutschen Hauptstadt in den Bezirken Prenzlauer Berg und Mitte gelegen befindet sich ein mit spärlichem Grün bestückter Streifen, der eigentlich eher grau ist und außerdem von Bierflaschenscherben übersät. Und doch trifft man hier im Mauerpark vor einem atemberaubenden Fernsehturm-Panorama tagtäglich halb Berlin, das lachend, schwatzend, rauchend, grillend und Bier trinkend Freestyle-Folk tanzt, den sonntäglichen Flohmarkt stürmt und sich in der Abenddämmerung neben Feuerspuckern, Freizeitkickern, Basketballern, Jongleuren und Freizeitmusikern tummelt.

Grenzgebiet

Einst war der Mauerpark ein wunder Punkt für die Berliner, war er doch Inbegriff der geteilten Hauptstadt. Die Schließung der innerstädtischen Grenze im August 1961 trennt das ehemalige Gelände eines der zahlreichen Berliner Kopfbahnhöfe, das gerade noch auf Weddinger Boden lag, von der Schwedter Straße, der Sektorengrenze zwischen sowjetischem und französischem Sektor, und der Böschung zum höher gelegenen Sportpark. Die Grenze verlief südlich des ehemaligen Bahnhofsgeländes an der Eberswalder Straße über die Kreuzung Eberswalder Straße Ecke Schwedter Straße und Oderberger Straße.

Heute gliedert sich der Mauerpark optisch vor allem in zwei Teile: Den im ehemaligen Stadtbezirk Wedding liegenden Geländestreifen, auf dem jedes Wochenende der Flohmarkt Magnet für Einheimische und Tausende von Touristen aus den zahlreichen Hotels in Berlin ist, sowie den teils schräg abfallenden und teils ebenen Park, der sich zu Füßen des Jahnstadions erstreckt.

Multikulti auf dem ehemaligen Todesstreifen

Heute übt sich der Mauerpark im Schmelztiegel-Sein. Französisch, Englisch, Deutsch – ein buntes Gemisch aus Sprachen erfüllt die Luft des jeden Sonntag überfüllten Flohmarkts, der noch so manchen Schatz birgt und neben Ramsch und Klimbim aus DDR-Zeiten und den Wohnzimmern und Küchen von Anwohnern, Händlern und Studenten auch Berliner Künstlern und Designern die Möglichkeit gibt, die eigenen Kunstwerke für alle erschwinglich zu präsentieren.

Wer genug hat vom Feilschen und Drängeln, der kann sich nur wenige Meter vom Flohmarkt entfernt als Teilnehmer oder auch nur Zuschauer einem großen Spaß anschließen, der ebenfalls jeden Sonntag zu bewundern und vor allem zu hören ist: Karaoke. Mutige trällern dort vor großem Publikum, das auf den Sitzen des Amphitheaters Platz genommen hat. Ihre Lieder werden auch für reichlich schiefe Töne mit Gejohle und wildem Beifall kommentiert. Ausgelacht wird hier niemand.

Streitobjekt

Sein Image als wunden Punkt der Stadt konnte der Park jedoch bis heute nicht ganz loswerden. Seit Jahrzehnten ist er nämlich zudem erbitterter Streitpunkt von Stadtverwaltung und Bürgern. Die Ursprünge der Divergenzen in Sachen Parkwerdegang liegen in den Anfängen der 90er Jahre: Damals erhielt die Stadt Berlin Geld für eine Parkanlage. Ein Architekt machte sich daraufhin gleich eifrig an den östlichen Teil des ehemaligen Grenzgeländes. Der Westen gehörte einer Immobiliengesellschaft. Der Deal mit der Stadt war einfach: Weil die Stadt kein Geld hatte, um das Land käuflich zu erwerben, verschenkte man die Anteile. Dafür durfte der Rest fleißig bebaut werden. Doch hier hatte jemand die Rechnung ohne die Bürger der Hauptstadt gemacht, die den Erhalt und die Vergegenwärtigung der Geschichte des Parks wollten, und etliche Demonstrationen, Unterschriftensammlungen und Bürgeraktionen später gibt es mittlerweile seit etwa einem Jahr einen Plan, der vielleicht allen ein bisschen entgegenkommt: Viel mehr Grün soll es geben und die Bebauung durch Wohnhäuser beschränkt sich nur auf den nördlichen und südlichen Rand des Mauerparks.

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Leserbriefe

3 Kommentare

Alex #

7. April 2011 // 11:31

Danke Oskar für den tollen Artikel.

Zum Absatz Streitobjekt habe ich noch eine Anmerkung:

Der weitere Werdegang des Mauerparks und vor allem der Flächen Immobiliengesellschaft Vivico ist durchaus offen. Im Moment sieht es nicht danach aus, dass dort gebaut wird. Die Bürgerwerkstatt-Mauerpark hat die Bebauungsvorschläge (Wohnen im Norden und Gewerbe im Süden) abgelehnt und damit die Fraktion der Grünen in Mitte auf ihrer Seite. Der Bebauungsplan ruht damit und der Bezirk wird sich wohl bis zur Wahl im Herbst nicht weiter mit den Bürgern anlegen.

Weitere Infos: http://www.kiezdialog.de/7xd

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Mario Gaab #

7. April 2011 // 13:11

Leider ist der letzte Abschnitt des Artikels entweder schlecht recherchiert oder schlotterig geschrieben. Er erwähnt nicht den Druck auf die Stadt, der durch eine Rückzahlung der in den 90er Jahren erfolgten Spende von mehreren Millionen entstand, falls der Park nicht wie ursprünglich vorgeschrieben bis Ende 2010 vergrössert wird. Die Immobiliengesellschaft Vivico besitzt nun die Westseite des Mauerparks, die als Grünfläche festgeschrieben ist, also nicht bebaut werden darf.
Und hier kommt nun der Deal, dass die Vivico Baurecht auf 2 Flächen im Norden und im Süden erhält, dafür dann der Stadt die fehlende Fläche „schenkt“. Falsch im Artikel ist dann, dass es sich im Süden wie im Norden um Wohnbauten handelt. Im Süden sollen Gewerbebauten entstehen, und zwar dort, wo sich grosse Teile des heutigen Flohmarkts befinden. Es gibt hier auch kein schlüssiges Konzept, was mit dem Flohmarkt dann passieren wird.
Was sich im Artikel anhört, als wäre alles gut und schön, konterkariert in Wirklichkeit den eigentlichen Tenor dieses Artikels über die wunderbaren Eigenschaften des Parks. Denn die Forderungen der im Artikel als Wutbürger erscheinenden Menschen richten sich z.B. auf niedrige Bebauungshöhen, um die Attraktivität des Mauerparks zu erhalten. Bis heute wird aber nicht seitens Vivico und der Stadt darauf eingegangen. Alternative Architekturentwürfe werden ignoriert.

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Angelo #

10. April 2011 // 00:38

Schoener Blog, ich komme jetzt oefter

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