Von Bandsalaten und springenden Platten

Es fing alles mit einem mit Paraffin überzogenen Papierstreifen an. Am 18. Juli 1877 hatte der Erfinder Thomas Edison, Erfinder der Glühbirne, mit seinem Phonographen erstmals die menschliche Stimme aufgenommen. Bei dieser Erfindung wurde der Paraffinpapierstreifen an einer Membran mit einer Nadelspitze vorbeigeführt und von der Schwingung der Membran durch das Gegensprechen die menschliche Stimme auf dem Papierstreifen konserviert. Fertig war die erste historisch belegte Tonkonserve.

Schon zehn Jahre später entwickelte Emil Berliner die erste Schellackplatte als Weiterführung der Wachsrolle und meldete das Patent für das Grammophon an, welches eine Weiterentwicklung des Phonographs war. Die ebenfalls von Berliner gegründete Gramophone Company verkaufte 1914 bereits über 4 Millionen Platten. Durch den erhöhten Absatz und der großen Nachfrage fing man schon relativ früh an eine preiswertere Variante mit synthetischem Kunststoff zu entwickeln, um nicht mehr auf das teure Naturprodukt Schellack angewiesen zu sein.

Von der Lackschildlaus zum Vinyl

Schellack wird aus Gummilack gewonnen und dieser wiederum aus den Ausscheidungen der Lackschildlaus. Für ein Kilogramm Schellack benötigt man ca. 300.000 Lackschildläuse. Nachdem in den 30ern unentwegt an der Schallplatte aus Polyvinylchlorid (PVC) gefeilt worden war, wurde in den USA 1948 dann endlich die Vinyl-Schallplatte eingeführt. Sie war billiger in der Produktion, leichter, haltbarer und konnte pro Seite ganze 25 Minuten Musik speichern.

Parallel zum Grammophon wurde der Tondraht weiterentwickelt. Zu Beginn wurden hierbei über einen Magneten Daten auf einen Draht gespeichert. In den USA hielt sich dieses Verfahren, trotz des sehr empfindlichen Drahtes, bis in die 50er Jahre um dann endgültig von dem Tonband, welches mit einem ähnlichen Prinzip arbeitete, abgelöst zu werden. Auch heute werden übrigens noch Tonbänder eingesetzt, hauptsächlich natürlich in den Tonstudios um Musik aufzuzeichnen.

In den 50er Jahren wurden auch in den privaten Haushalten Tonbandgeräte genutzt. Da diese aber relativ kompliziert in der Handhabung waren, die Bänder mussten zum Beispiel immer von Hand eingefädelt werden, begann das niederländische Unternehmen Philips an einer einfacheren Alternative für den Privatbereich. Das Ergebnis war der erste Kassettenrekorder EL 3300, der 1964 auf den Markt kam. Dieses Gerät war wesentlich handlicher, einfacher zu bedienen und lief sogar mit Batterien. Zum aller ersten Mal war es für alle Menschen möglich Schallplatten zu überspielen und Radio oder Fernsehen aufzunehmen.

Mobilmachung der Musik

Ein Tonträger für unterwegs. Die Rede ist vom Walkman. 1979 revolutionierte Sony mit seinem tragbaren Tonträger den Musikmarkt. Fortan war es möglich Musik auch beim Joggen, im Zug oder unterwegs über Kopfhörer zu hören.

Nur drei Jahre nach der Erfindung des Walkmans brachten Sony und Philips in einem Kooperationsprojekt die erste Compact Disc (CD) und das dazugehörige Abspielgerät, den CD-Spieler, auf den Markt. Der große Vorteil bei der CD liegt in dem Verschleißfreien Abtasten des Datenträgers und der Wegfall von Störgeräuschen. Schon Ende der 80er wurden mehr CDs als Schallplatten verkauft.

Nach dem eher erfolglosen Versuch in den 90ern die Mini-Disc (MD)als alternativen Tonträger am Markt zu etablieren, wurde das neue Zeitalter der Tonaufzeichnung durch den MP3-Format eingeläutet. Endlich war es möglich, Daten um das zehnfache der Ursprungsgröße zu reduzieren und diese zu speichern und abzuspielen. 1998 kam der erste MP3-Player auf den Markt und besiegelte den Untergang des Walkman. Fast zeitgleich wurde die erste große illegale Musiktauschbörse Napster Inc. gegründet.

Vinyl will never die

Seitdem sind bald wieder 15 Jahre ins Land gezogen und Tauschbörsen wurden verboten, Apple eröffnete den ITunes-Shop, Musik wird über Handys gehört und der Absatzmarkt der Musik-CD nahm und nimmt kontinuierlich ab. Irgendwann in absehbarer Zeit wird wohl auch die gute alte Compact Disc das Zeitliche gesegnet haben und wir speichern Musik vielleicht auf Tesafilmrollen oder ähnlichem.

Währenddessen feiert die Schallplatte, auch wenn sie nur einen Prozent des gesamten Musikumsatzes ausmacht, ein Revival und wird vermutlich auf Grund ihrer nostalgischen Komponenten und der immer noch großen Verwendung im DJ-Bereich die CD um viele Jahre überleben. Nicht ohne Grund pressen viele Bands ihre Alben inzwischen wieder auf Vinyl. Mit dem Kauf erwirbt man einen zusätzlichen Downloadcode um sich das Album auch in digitaler Form auf beliebige Datenträger speichern zu können. Dies bietet eine interessante Variante für Musikliebhaber, die trotzdem nicht auf den modernen MP3-Player verzichten wollen.

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