Stierkampf: Eine grausame Tradition

Es gibt einige Traditionen, die auch heute noch eine Daseinsberechtigung besitzen und es gibt jene, die weder zeitgemäß sind, noch unseren heutigen moralischen und ethischen Vorstellungen entsprechen. Ein Beispiel sind die blutigen Stierkämpfe, die sich noch immer großer Beliebtheit erfreuen – doch Gladiatorenkämpfe auf Leben und Tod gibt es schließlich auch nicht mehr.

So geschichtlich verwurzelt der Stierkampf in den Mittelmeerkulturen auch ist, geht es dennoch darum aus der Tötung eines Stieres ein Sportevent zu machen. Ca. 40.000 tote Stiere jährlich sprechen eine deutliche Sprache.

Geschichte des Stierkampfes

Die ursprüngliche, schon seit dem Mittelalter bekannte Form des Stierkampfes war eine Art Ritterspiel und wurde damals zu Pferd ausgetragen. Allerdings wurde, nachdem Papst Pius V. eine starke Abneigung gegen das blutrünstige Spektakel hegte, der Stierkampf für mehr als zwei Jahrhunderte verboten, bevor er dann im 18. Jahrhundert zur Unterhaltung des Volkes wieder erlaubt war. Der Kampf zu Pferd verlor immer mehr an Bedeutung und die ärmere Bevölkerung begann den Stierkampf verstärkt zu Fuß zu praktizieren. Die heute noch gängige Form des Stierkampfes wurde durch den berühmten spanischen Matador Francisco Romero schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts entwickelt und die Regeln, die im Wesentlichen heute noch Gültigkeit besitzen, wurden 1796 in der berühmten Tauromaquia von Matador José Delgado festgehalten.

Ablauf einer klassischen Corrida

Bevor der eigentliche Stierkampf beginnt, marschieren alle Mitwirkenden in die Arena ein und präsentieren sich dem Publikum. Zwei berittene Gerichtsdiener erbitten dann vom Kampfkomitee symbolisch den Schlüssel zur „Puerta de los Toriles“, hinter dem die Stiere warten. Normalerweise besteht eine klassische Corrida übrigens aus insgesamt sechs Kämpfen und 3 Toreros, sodass auf jeden Kämpfer zwei Tiere fallen. Der Kampf selbst besteht nun aus drei Abschnitten, den sogenannten „Tercios“, die jeweils durch Hornsignale eingeleitet werden.

Tercio de varas

In diesem ersten Drittel kommen die Stiere mit einer bunten Rosette geschmückt in die Arena. Diese gibt Auskunft über den Züchter und wird mit einer Art Harpune, der Vara, in den Stier gestochen. Danach wird der Stier durch gezielte Lanzenstöße der Picadores unterwürfig gemacht. Der Torero verwendet in diesem ersten Abschnitt ein großes rot-gelbes Tuch.

Tercio de Banderillas

Die Gehilfen des Matadors stoßen im zweiten Teil des Kampfes zwei mit bunten Bändern geschmückte Spieße, die Banderillas, in den Rücken des Stieres, damit der Matador seinen Gegner einschätzen kann, bevor er ihm gegenüber tritt. In seltenen Fällen sticht der Matador die Banderillas auch selbst.

Tercio de Muleta y Estocada

In diesem letzten, nur acht Minuten dauernden Teil, muss der Matador dann seine sogenannte „faena“, sein Können, zeigen. Nur mit dem roten Tuch, Muleta genannt, und seinem Degen, dem Estocada, vollführt er verschiedene Figuren, um den Stier dann am Ende mit einem geschickten Stoß seines Degens in den Nacken zu töten. Übrigens können Stiere gar kein Rot sehen, stattdessen reagieren sie auf das hin und her Schwenken des Tuches. Ursprünglich wurde ein weißes Tuch verwendet und erst durch die blutige Verfärbung ging man irgendwann zu einem roten Tuch über.

Wenn das Publikum mit dem Kampf zufrieden war, bekommt der Matador die Ohren und den Schwanz des Tieres als Trophäe. Anschließend wird der tote Stier unter Applaus oder Pfiffen aus der Arena geschleift. Das Wort Matador klingt zwar schön, wird aber im Spanischen unter anderem mit Schlächter übersetzt.

Volksbegehren und Touristenmagnet

Schon 1991 wurde auf den kanarischen Inseln der Stierkampf verboten und in Katalonien wurde per Volksbegehren ein Umdenken bewirkt, welches dazu führte, dass es auch hier ab 2012 ein Stierkampf-Verbot geben wird. Prinzipiell muss natürlich jeder für sich entscheiden ob er solch einem schrecklichen Event beiwohnen will, doch gerade die Touristen sind eine der Hauptursachen dafür, dass der Stierkampf immer noch in dieser hohen Frequenz existiert. Verschiedene Tierschutzorganisationen wie zum Beispiel „Peta“ widmen sich schon seit Jahren dem Kampf gegen diese Tötungsevents und bieten hierzu auch umfangreiches Informationsmaterial.

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