Poetry Slam – Battle Rap der Intellektuellen

Gedimmtes Licht, leises Gemurmel, ein Mann alleine im Lichtkegel vor dem Mikrofon… gespanntes Publikum in Erwartung der sich gleich bietenden Poetik. Auf dem Sofa hinter der Bühne warten schon die Konkurrenten, eigentlich Freunde, aber heute nicht, heute sind sie für die kurze Zeit des Abends Konkurrenten… und das Publikum entscheidet wer den Sieg davonträgt.

Pazifistische Form des Boxkampfes

Der inzwischen allgegenwärtige Poetry Slam bezeichnet einen literarischen Vortragswettbewerb, bei dem selbstverfasste Texte innerhalb eines festgelegten Zeitlimits einem Publikum vorgetragen werden. Klingt irgendwie ein bisschen wie die klassischen Dichter- und Philosophenstreits der Antike, hat seinen Ursprung aber in den 80ern des 20. Jahrhunderts. Die Idee eines solchen Wettbewerbs entstand erstmals 1986 in Chigago und schon 10 Jahre später verbreitete sie sich in kürzester Zeit auf der ganzen Welt.

Heute finden regelmäßig an über 100 Veranstaltungsorten Poetry Slams statt.
Diese poetischen Wortgefechte folgen bestimmten Richtlinien, die größtenteils auf den Begründer Marc Kelly Smith zurückgehen, so auch diese Grundgebote: „Die Texte müssen selbstgeschrieben sein, der Dichter darf keine Requisiten, Kostüme oder Musikinstrumente verwenden, und wenn der Poet das Zeitlimit überschreitet […], droht ihm Punkteverlust.“

Publikum als Ringrichter

Der große Unterschied zur offenen Bühne oder zum offenen Mikro, liegt in der Kompetition der einzelnen Redner. Hierdurch wird das Publikum mit eingebunden: jetzt heißt es mitfiebern, aufmerksam lauschen und am Ende gemeinsam den Sieger küren. Gleichzeitig bedeutet der Wettbewerb für den Dichter konspirative Kritik und Ansporn zu Verbesserungen.

Erlaubt sind alle literarischen Gestalten und Genres, solange keine Hilfsmittel wie Instrumente oder Kostüme verwendet werden. Die Textpalette reicht vom Rap bis zur Kurzgeschichte und den Genres sind vom Fantastischen bis zum Komödiantischen keine Grenzen gesetzt. Das ursprünglich für Kneipen und ähnliche Lokalitäten vorgesehene Konzept wurde auch vom Fernsehen und vom Rundfunk übernommen. Der WDR und Arte zeigen regelmäßig Poetry Slams und beim SWR2 gab es auch schon einen Radioslam.

Wer jetzt Tinte geleckt hat und seine Poesie zum Besten geben möchte hat die Möglichkeit bei Wettbewerben mit offener Liste teilzunehmen, oder sich zumindest bei den Großen der Slammer etwas abzuschauen. In den größeren Städten wie Berlin bietet sich fast wöchentlich die Möglichkeit eines Wettstreits auf intellektuellem Niveau. Eine hervorragende Internetseite für nähere Informationen in und um Berlin ist www.slammin-poetry.de.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Leserbriefe

2 Kommentare

Kalle #

4. April 2011 // 00:03

Netter Post, ich komme auf jeden fall oefter

Antworten

Yannick #

4. April 2011 // 09:55

Poetey Slam ist eine tolle Sache.
Hier ein paar Slamer die ich sehr empfehlen kann:
– Andy Strauß
– Sebastian 23
– Mischa Sarim Verollet

Viel Spaß beim reinhören

Antworten

RSS-Feed zu diesem Beitrag