Ein Preis für
Clemens J. Setz

Rückblick: Sonntagabend, 20. März, gerade ist die Leipziger Buchmesse 2011 mit einem neuen Besucherrekord zu Ende gegangen. Innerhalb von vier Tagen kamen 163.000 Besucher auf das Messegelände und informierten sich bei den 2.150 Ausstellern aus 36 Ländern über die Neuerscheinungen des Jahres.

Bereits zum 20. Mal fand parallel das Fest „Leipzig liest“ statt. Allein dieses Jahr stellten sich 1.500 Autoren an 300 in der ganzen Stadt verteilten Leseorten vor und präsentieren Auszüge aus ihren Werken. Gerade für jüngere Leser und für die Nachwuchsautoren der Buchbranche hat sich Leipzig etabliert. Den Lesern wird die Möglichkeit geboten die Autoren hautnah zu erleben und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Gerade die kleinen Verlage erfreuten sich am regen Interesse an ihren noch unbekannten Autoren. Auch weitestgehend unbekannt waren die serbischen Autoren, die im Rahmen des diesjährigen Südosteuropa Schwerpunktes ihre Bücher vorstellten.

Leipziger Buchmesse Preis

Neben den zahlreichen Lesungen und Neuerscheinungen wurde immerhin schon zum siebten Mal der renommierte Preis der Leipziger Buchmesse für herausragende deutschsprachige Neuerscheinungen verliehen. Im Bereich Sachbuch ging der diesjährige Preis an Henning Ritter für „Notizhefte“ und in der Sparte Übersetzung wurde Barbara Conrad für ihre Arbeit an Lew Tolstois „Krieg und Frieden“ geehrt.

Gewinner der Kategorie Belletristik wurden überraschenderweise keiner der zwei favorisierten Autoren Wolfgang Herrndorf „Tschick“ und Arno Geiger „Der alte König in seinem Exil“, stattdessen ging die Auszeichnung an den jungen Wiener Autor Clemens J. Setz für seinen Erzählband „die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes“, welcher im Suhrkamp Verlag erschien.

Grotesker Ideenreichtum trifft auf menschliche Natur

Mütter schlüpfen in die Rolle von Prostituierten, die statt Sex Bemutterung für eine Nacht anbieten. Menschen wohnen im Riesenrad und sind Gefangene ihres eintönigen Lebens. Personenwaagen tauchen auf einmal im Innenhof neben den Mülltonnen auf und nehmen Einfluss auf zwischenmenschliche Beziehungen. Visitenkarten bekommen Pusteln wie Pestbeulen und verbreiten sich wie eine ansteckende Krankheit. Und ein großer Käfig und das damit verbundene Sklavenspiel laufen leicht aus dem Ruder.

In 18 Geschichten voller Detailreichtum erschafft Clemens J. Setz eine Welt gespickt mit surrealen Momenten und grotesken Szenerien und doch lassen sie sich auf einen realen Kern herunter brechen. Tief im Innersten handeln seine Erzählungen von zwischenmenschlichen Gefühlen, Ängsten, Sorgen und Verhaltensweisen der Protagonisten.
Clemens J. Setz verpackt reale Gedanken, Streitfragen und Gespräche in surreale, kafkaeske Momente und Handlungen. Der österreichische Autor präsentiert verstörte, gewalttätige Momente durchzogen von grotesken Situationen und feinsinnigem Alltags-Horror.

Der begabte junge Autor wird mit seinem Erzählband ab dem 2. Mai auf Lesetour sein und gastiert im Zuge dessen auch für drei Veranstaltungen in Berlin. Unter Anderem präsentiert er sein neues Werk am 9. Juni bei der Berliner Büchernacht 2011.

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Leserbriefe

Ein Kommentar

Klaus #

29. April 2011 // 19:01

Beachtenswerter Blogpost.Ich habe ein paar frische Gedankenanstoesse gekriegt. Warte auf weitere Posts zum Thema.

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