Alles was wir geben mussten

Schon viele Filmemacher haben sich daran versucht und viele sind kläglich gescheitert: Buchverfilmungen. Die Verfilmung großer Romane scheitert meist an fehlender Tiefe: Eine in der Buchvorlage oft meisterhaft verwobene Geschichte muss auf wenige Figuren und Handlungselemente reduziert werden – da leidet der Tiefgang. Auch Mark Romanek hat es versucht: Acht Jahre nach seinem gepriesenen Debut „One hour Photo“ führte er Regie bei der Verfilmung des Bestseller-Romans „Never let me go“, geschrieben vom britischen Autor Kazuo Ishiguro, der holprig mit „Alles was wir geben mussten“ ins Deutsche übersetzt wurde. Das Ergebnis ist wenig überzeugend.

Trügerische Idylle

Großbritannien Ende der 70er Jahre des 20. Jahrhunderts: Die Kinder Kathy (Carey Mulligan), Ruth (Keira Knightley) und Tommy (Andrew Garfield) wachsen scheinbar wohlbehütet in Hailsham, einem Internat auf dem englischen Land auf. Ihr Schulalltag wird bestimmt von der strengen, aber fürsorglichen Hand weniger Lehrer und den scheinbar normalen Pflichten und Sorgen britischer Schüler.

Weniger subtil als es wünschenswert gewesen wäre bekommt das perfekte Bild des englischen Landinternats und des behüteten Lebens der Schüler jedoch Risse: Die Lehrer werden „Aufseher“ genannt, im Unterricht werden Besuche im Café und das Verhalten in der Öffentlichkeit inszeniert und trainiert und die Gesundheit der Hailsham-Schüler scheint unter einer besonderen Beobachtung zu stehen.

Grauenhafte Fiktion

Eine Lehrerin setzt sich eines Tages über die strenge Schweigepflicht hinweg und konfrontiert die ahnungslosen Schüler mit dem wahren Grund ihrer Existenz und der Funktion der künstlich geschaffenen Insel Hailsham: Jedes einzelne der Hailsham-Kinder ist der Klon eines Menschen der zivilen Welt und dient einzig dazu, später als Ersatzteillager im Falle einer Erkrankung seines „Originals“ ausgeweidet zu werden. Da meist lebenswichtige Organe gespendet werden, überlebt kaum ein Klon die dritte Spende.

Diese Nachricht überschattet die kindliche Zuneigung, die die Schüler Kathy und Tommy füreinander empfinden. Kathys eifersüchtige Freundin Ruth durchbricht außerdem die innige Beziehung zwischen Tommy und Kathy. Noch Jahre später, als die drei Hailsham-Zöglinge zu ihrem Aufenthalt in die „cottages“, der nächsten Station ihres kurzen und vorherbestimmten Lebens aufbrechen, sind Ruth und Tommy ein Paar.

Kathy absolviert eine Ausbildung als Betreuerin der Organspender in der Zeit der Spenden und den damit verbundenen Krankenhausaufenthalten. Nachdem die drei Schulfreunde jahrelang keinen Kontakt hatten, trifft Kathy Ruth nach deren erster Spende als ihre Betreuerin wieder und gemeinsam besuchen sie Tommy, der mittlerweile auch spenden musste. Kathy und Tommy erkennen ihre nach wie vor große innige Verbindung. Beide hoffen nun, dass die Gerüchte um den Aufschub der Spendentermine bei Paaren sich als wahr herausstellen…

Fader Beigeschmack

Die Lethargie, mit der die Figuren sich in ihr Schicksal fügen, steht in einem unverständlichen und grotesken Gegensatz zur Energie, die Tommy und Kathy aufwenden, um ihre verbliebene Zeit durch einen Aufschub der Spenden zu verlängern. Zwar schafft Romanek es, den Zuschauer mit dem Gefühl von Bedrückung und Niedergeschlagenheit aus dem Kino zu entlassen, der Story fehlt jedoch jegliche Tiefe und Überzeugungskraft. Die völlige Ausblendung der technischen Aspekte des Klonens und die Fokussierung auf das Leben der Spender rücken den Film in die Nähe einer tristen Teenager-Love-Story. Von diesem Image kann sich der Film selbst durch die zeitweilige Präsenz von ausgezehrten Körpern und OP-Narben nicht mehr befreien.

Einzig herausragend ist die schauspielerische Leistung von Carey Mulligan, bekannt aus „Stolz und Vorurteil“ von 2005, die die Figur der introvertierten und nachdenklichen Ruth überzeugend und authentisch darstellt.

Der Film kommt am 14. April 2011 in die deutschen Kinos.

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