30 Jahre Hip Hop
in Deutschland

Thomas Gottschalk oder besser gesagt GLS United als die Vorreiter oder Begründer der deutschsprachigen Hip-Hop-Bewegung zu bezeichnen wäre dann wohl doch etwas zu viel des Guten. Trotzdem kommt man im Hinblick auf die Anfänge nicht drum herum Sie zumindest zu erwähnen. Und seien wir mal ehrlich, zur Belustigung trägt die deutsche Interpretation des Klassikers „Rapper’s Delight“ von der Sugarhill Gang aus dem Jahr 1979 auf jeden Fall bei.

Die 1980 erschienene Parodie „Rappers Deutsch“ gilt zumindest bis heute als erst deutschsprachige Hip-Hop-Veröffentlichung. Hinter der Band GLS United stecken Thomas Gottschalk, Frank Laufenberg und Manfred Sexauer. Auch wenn es das einzige Lied blieb, was die Gruppe aufnahm, erreichten sie damit immerhin im April 1980 den 49. Platz in den deutschen Charts.

Der Kommissar geht um

Auch der Österreicher Falco wird gelegentlich als der erste weiße Rapper bezeichnet. Sein Welthit „der Kommissar“ wurde im Herbst 1981 veröffentlicht und erreichte in fast ganz Europa Platz 1 und die englische Fassung „After the Fire“ stand sogar auf Platz 3 der US-Charts.

Zu Beginn der 80er entstand in Deutschland das erste Mal so etwas wie eine Hip-Hop-Welle, die allerdings zunächst in englischer Sprache existierte. Angelehnt an die Hip-Hop-Bewegung in den USA war es gerade die Verbreitung amerikanischer Filme und Schallplatten durch die hier stationierten US-Soldaten, die die Welle los trat. Zu diesem Zeitpunkt war es allerdings noch verpönt und „altmodisch“ auf Deutsch zu rappen. Die erste richtig bekannte Hip-Hop-Combo waren die Heidelberger Rapper von Advanced Chemistry, zu denen auch „Torch“ gehörte. Dieser war später der erste, der bei Jams in deutscher Sprache rappte. Schließlich sollte es noch bis 1992 dauern, bis die Band mit ihrem Album „Fremd im eigenen Land“ einen Tonträger in eigener Sprache veröffentlichte.

Die 90er und der Hip-Hop-Boom

Den Anfang des Booms machten die wohl inzwischen zu den bekanntesten Musikern Deutschlands gehörenden Fantastischen Vier mit ihrem Debütalbum „Jetzt geht’s ab“. Dadurch dass sie mit ihrer Single „Die da?!“ auf den ersten Platz in den Charts landeten und der Song ein großer Erfolg wurde, wurden Sie allerdings innerhalb der Szene nie 100%ig als Hip-Hop-Combo akzeptiert, letztlich hatte man die „Keep it real is the deal“-Haltung aus den USA übernommen und versuchte sich auch in Deutschland gegen einen kommerziellen Ausverkauf zu stellen.

Bis 1995 sollte kein deutscher Hip Hop mehr in den Charts auftauchen, trotzdem entwickelte sich die Hip-Hop-Bewegung im Untergrund weiter. Aber plötzlich wurde Hip-Hop auch in Deutschland großgeschrieben und immer mehr Combos traten an die Oberfläche ins Licht. Neben den Verfechtern der alten Schule mit eher politischen Texten wie Advanced Chemistry, Cora E. und den frühen Absolute Beginner, etablierte sich die sogenannte neue Schule mit Vertretern wie Fettes Brot und Fünf Sterne Deluxe, deren Texte eher von alltäglichen und lustigen Dingen handelten. Zusätzlich entwickelten sich viele Andere Hip-Hop-Acts, die einen eher ganz eigenen Stil pflegten. Zu den wichtigsten Vertretern zählen hier unter anderem die Stieber Twins, Freundeskreis, Blumentopf, Doppelkopf, Eins Zwo, Dynamite Deluxe und die Absoluten Beginner.

Weiterentwicklung

Zum Ende des 20. Jahrhunderts begann die Szene dann zu stagnieren und das Interesse an deutschsprachigem Hip Hop sank merklich. Stattdessen begann der Battle Rap immer erfolgreicher zu werden und Künstler wie Azad, Kool Savas und Samy Deluxe traten weiter in den Vordergrund. Das 2001 gegründete Berliner Label Aggro Berlin sorgt seitdem mit ihrem eher härteren Stil und den teilweise sexistischen und gewaltverharmlosenden Texten für diverse Diskussionen.

Neben der modernen Version des „Gangsta-Raps“ deutscher „Ghettokinder“ findet sich aber auch durchaus unterhaltender und teils tiefgründigerer Hip-Hop in deutschen Gefilden. Neben natürlich immer noch existenten guten Combos aus den 90ern gibt es auch diverse Artists wie den grandiosen Dendemann, die inzwischen auf Solopfaden wandern und die deutsche Musikszene mit ihrem teils eigenwilligen Sound bereichern.

Erfreuen wir uns einfach der blühenden Musiklandschaft Deutschlands und verfolgen gespannt wie der Hip Hop sich in den nächsten 30 Jahren entwickeln wird.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Leserbriefe

Keine Kommentare

Noch keine Kommentare oder Backlinks.

RSS-Feed zu diesem Beitrag