Was mein Leben reicher macht – Glücksmomente aus dem Alltag

„Viele Menschen versäumen das kleine Glück, während sie auf das Große vergebens warten.“ Dieser Spruch stammt von der US-amerikanischen Schriftstellerin und Nobelpreisträgerin Pearl S. Buck. Dass es oft die kleinen Dinge sind, die das Leben schöner und lebenswert machen, macht eine Lesereise durch „Was mein Leben reicher macht“ auf einfühlsame und beeindruckende Weise bewusst. ZEIT-Leser kennen das wöchentliche Ritual: Die neue ZEIT ist da! Und was wird zuerst gemacht, während die linke Hand gedankenverloren den Kaffee umrührt? Genau – die kleine Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ wird durchgeschmökert. Die kleinen Erlebnisse und Beobachtungen aus dem Alltag der ZEIT-Leser lassen einen kurz innehalten und sind nicht selten Ursache für ein gerührtes Gemüt. Jetzt erscheinen die schönsten Glücksmomente aus dem Alltag in einem Buch beim Knaur Verlag.

Das Glück im Kleinen

Die Rubrik „Was mein Leben reicher macht“ ist ein echter „Renner“ – mehr als 100 Zuschriften gehen jede Woche in der ZEIT-Redaktion ein, von denen zehn bis zwölf abgedruckt werden. Momente des Glücks, der Zweisamkeit, alltägliche Begegnungen und Liebesbekundungen, die man gern mit anderen teilen möchte, um zu zeigen, dass das Glück oft einfach zu finden ist – in den kleinen Momenten, die den Alltag erhellen. „Was mein Leben reicher macht – Glücksmomente aus dem Alltag“ ist nun als Buch im Knaur Verlag erschienen, herausgegeben von Wolfgang Lechner. Für das Buch wurden die schönsten Geschichten aus eineinhalb Jahren ZEIT ausgewählt und aufgeschrieben, ergänzt durch elf „Kritzeleien der Woche“. Wir haben eine kleine Auswahl vorgenommen, um einen ersten Einblick zu geben.

London. U-Bahn Westminster. Ein altes Ehepaar betritt das Abteil. Beide mindestens 90, sie gebückt und am Stock gehend, er zitternd und mit Hut. Sie halten sich an den Händen. Wie auf Kommando erheben sich alle Leute von ihren Plätzen. Die Alten nicken dankend und setzen sich mühsam. Er nimmt den Hut ab. Schaut versonnen lächelnd in die Runde. Dann beugt er sich zu seiner Frau, küsst sie auf die Wange und sagt seufzend: „We must look old, my dear.“

Hannah Ruhm, Hannover

Die siebenköpfige kurdische Familie, die ein Doppelhaus mit mir teilt. Sie bringt mir Respekt und Ehrfurcht entgegen, nicht weil ich alt bin, sondern weil ich ein langes Leben gelebt habe, wie mir der 18jährige Visdan erklärte. Firkrie, die Mutter, bringt mir von ihren Speisen, und ich lerne wieder die alte Kunst des Ausleihens, sei es eine Zwiebel oder eine Tasse Zucker. Mit Busra, der einzigen Tochter, kann ich mich über Politik unterhalten, sie hat viel Ahnung und interessiert sich auch für die Rolle der Frau, sowohl in Kurdistan als auch in Deutschland. Unmut, der Erstgeborene, ist ein zorniger junger Mann, schön wie ein Gott. Wenn ich Kuchen rüberbringe, legt er zum Dank in einer unnachahmlichen Geste seine rechte Hand auf sein Herz und verbeugt sich leicht. Med, 14, und Ahmed, zwölf, führen mich in die Welt des Fußballs ein, und so bleibe ich im wahrsten Sinne des Wortes am Ball. So erleben wir Nähe und Distanz, zwei Kulturen, die sich gegenseitig bereichern. Als Symbol dafür steht unser gemeinsamer Gartenzaun: Die Kapuzinerkresse auf meiner Seite verbindet sich mit dem Wein auf der anderen – harmonisch und schön. Herr Sarrazin sollte uns einmal besuchen! Aber ich glaube, meiner Kapuzinerkresse würde das nicht gefallen.

Clara Squarra, Münster

Im Café nicht Latte macchiato bestellen, sondern Ovomaltine. Der Duft längst vergangener Jahre in meiner Nase, die Erinnerung an Abenteuer, Streiche, Schulnoten, schlechtes Gewissen. Und an Eltern, denen man alles erzählen konnte. Eine Zeitmaschine!

Winfried Trieb, Margertshausen bei Augsburg

Bei Gelegenheit, also wenn ich alleine zu Hause bin, schlurfe ich schwer und absichtlich über unseren harten Ziegenteppich. Barfuß! Das hat meine Frau streng verboten. Aber es kitzelt so angenehm und macht ein super Surrgeräusch.

Matthias Gottschalk, Leverkusen

Fadoklänge an einer Großbaustelle: Ein portugiesicher Bauarbeiter singt voller Inbrunst, während er Pflastersteine verlegt.

Christiane Abele, Freiburg im Breisgau

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Leserbriefe

Ein Kommentar

Inge Bopp #

9. August 2013 // 15:47

Zuschrift: Was mein Leben reicher macht: Die Erinnerung an eine italienische „Nonna“, die an einem heissen Augusttag in Venedig im uerbervollen Vaporetto ihren beiden, eingeklemmt neben ihr stehenden Enkelsoehnen ein Buch vorliest. Ich, ebenfalls mit Enkelkind, bekunde ihr beim Aussteigen durch eine Geste meine Anerkennung. Zurueck bekomme ich ein „grazie!“ sowie das wunderschoene Laecheln eines kulturenuebergreifenden Einverstaendnisses zwischen Grosseltern. Nun wird mir in der Hitze des Tages auch noch das Herz warm!
Inge zur Zeit in Italien

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