Tim Burton – „Mein ganzes Leben ist eine Dunkelkammer.“

„Eine riesige, bescheuerte Dunkelkammer!“ Seine Filme reichen von Comicverfilmungen über Fantasy-Tragödien bis hin zu Science-Fiction-Neuverfilmungen, Stop-Motion-Puppentrickfilmen und Kurzfilmen. Und doch tragen alle Werke von Tim Burton seine unvergleichliche, individuelle Handschrift. Die Verbindung von surrealen, grotesken, humoristischen Elementen und die Vermischung von Horror, Märchen und Science-Fiction machen das Lebenswerk Tim Burtons zu einer bunt bis dunkelgrün schimmernden, meisterhaften Komposition grotesker Gestalten, deren Geschichten sich an den bizarrsten Schauplätzen abspielen und die ohne eine gehörige Portion Gruselkabinett nie auskommen.

Aus der Not heraus

Alles begann in einem kleinen Ort namens Burbank in der Nähe vom L.A. in Kalifornien. Dort wurde Timothy Burton am 25. August 1958 als Sohn einer Verkäuferin und eines Baseballspielers geboren. Aus der Tristesse der amerikanischen Kleinstadt, die Burtons Kindheit begleitete, floh er bereits früh, indem er „Monster-Filme guckte, zeichnete und auf dem Friedhof spielte“, wie er selbst sagt. Später erhielt Burton ein Stipendium für sein Studium der Trickfilmkunst am „California Institut of Arts“. Der Studentenzeit folgte ein Fließbandjob bei Disney als Animationskünstler.

Die Anfänge

1989 ließ Disney Burton seinen ersten Kurzfilm drehen: „Hansel and Gretel“, eine surreale Alptraumvision des bekannten deutschen Märchens der Gebrüder Grimm, die von japanischen Schauspielern und Trickgestalten bevölkert wird. Der Film wurde nur einmal im Fernsehen ausgestrahlt und verhalf Burton zu keiner größeren Bekanntheit. Disney glaubte jedoch an sein Talent und ließ Burton weiter experimentieren. Neben seiner Mitwirkung an den Disney-Zeichentrickfilmen „Cap und Capper“ und „Taran und der Zauberkessel“ entsteht 1982 Burtons preisgekrönter Kurzfilm „Vincent“, eine kindgerechte Hommage an Burtons Idol Vincent Price, der seine letzten Auftritte in „Edward mit den Scherenhänden“ und in „Edwood“ mit Martin London als Bela Lugassi hatte.

Als unabhängiger Vertragspartner von Walt Disney realisiert Burton im Jahr 1984 den 30minütigen Cartoon „Frankenweenie“, der für ein jüngeres Publikum als zu erschreckend eingestuft und beiseite geschoben wurde. Die Warner Brothers Studios hingegen waren zutiefst angetan von „Frankenweenie“. Auf der Suche nach einem geeigneten Regisseur für die Realverfilmung des Cartoons „Pee-Wee-Herman“ fiel die Wahl auf Burton und so entstand 1985 dessen erster abendfüllender Spielfilm „Pee Wee’s Big Adventure“. Der Film wurde dank des TV-Stars Pee Wee zu einem der größten Warner-Brothers-Hits der 80er Jahre. Für die Filmmusik engagierte Burton erstmals Danny Elfman, Sänger der Kultgruppe Oingo Boingo. Der Soundtrack war der Beginn einer langjährigen gemeinsamen Zusammenarbeit von Burton und Elfman, die bis heute andauert.

Märchenwald der grotesken Superlative

Nach dem Erfolg von „Pee Wee’s Big Adventure“ hat Burton freie Hand und dreht mit seinem späteren „Batman“ Michael Keaton die Geistergroteske „Beetlejuice“, einen „Wohlfühlfilm über den Tod“, der den Durchbruch für Burton brachte. Für „Beetlejuice“ (1988) investierte Tim Burton schon damals nur 1 Million Dollar in Special Effects: Er wollte seinem Film ganz bewusst einen trashigen Anstrich geben und setzt auf Maske und Ausstattung. „Beetlejuice“ gewinnt prompt einen Oskar fürs Make-Up. Bis heute gilt „Beetlejuice“ wegen seiner unnachahmlichen Optik und der für Burton so typischen verwobenen Struktur aus Fantasy und Horror als Prototyp des Burtonschen Schaffens. Erst spät kann Burton sich mit der Technik der Computeranimation anfreunden: In „Planet der Affen“ (2001), einem atemberaubenden Remake des Klassikers von 1968, steckt er Schauspieler in Primatenkostüme, in „Charlie und die Schokoladenfabrik“ (2005) werden die Eichhörnchen dressiert, nicht animiert. Erst bei Burtons Verfilmung von „Alice im Wunderland“ (2010) setzt der Regisseur vermehrt auf digitale Bilder.

Der surreal-schräge Stil, der Burtons Filme charakterisiert, findet sich auch in „Batman“ von 1989 wieder. Besonderes Highlight ist die minutiöse Film-Architektur: Beeindruckende Bauten und gigantische Kulissen machen „Batman“ zum Kinoerlebnis. Die Comicverfilmung über die Verbrechen bekämpfende, menschengroße Fledermaus wird zum ersten Film, der innerhalb von 10 Tagen die 100-Mio-Dollar-Grenze durchbricht. Nach dieser Kassenschlager-Sensation gilt der komische Vogel in schwarz als Hollywoods Nachwuchsregisseur schlechthin. Burton gründet die Tim Burton Productions und produziert – parallel zu „Batmans Rückkehr“ (1992) die Stop-Motion-Mär „The Nightmare before Christmas“ (1993).

Eine langjährige Freundschaft

Mit „Edward mit den Scherenhänden“ schuf Burton einen seiner bekanntesten Filme. Johnny Depp, der Hauptdarsteller der skurril-traurigen Vorstadtfabel von 1990, wird für Burton ein Freund fürs Leben und ein unentbehrlicher Teil vieler weitere Filme Burtons: Depp übernimmt die Hauptrolle in „Ed Wood“, einer Schwarz-Weiß-Studie über den größenwahnsinnigen und nach Meinung vieler schlechtesten Filmregisseur alle Zeiten. Depp übernimmt außerdem Rollen in der postmodernen Gruselkomödie „Sleepy Hollow“ (1999), der Literaturverfilmung „Charlie und die Schokoladenfabrik“, der Broadway-Musical-Verfilmung „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“ (2007) und dem 3D-Fantasy-Film „Alice im Wunderland“.

Auszeichnungen

Tim Burton gilt nach wie vor als Meister des phantastischen Gruseltrips und des surrealen Comic-Spektakels. 2002 erhält er den Merryweather Steerforth Award. Im Jahr 2007 wird Burton für sein Lebenswerk mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet, der ihm von Johnny Depp auf den Filmfestspielen in Venedig überreicht wurde. Das MoMa in New York widmete ihm 2009/2010 eine große Werkschau, die 2010 auch in Melbourne ausgestellt wurde und die bis April 2011 in Toronto zu sehen war. Tim Burton wird die Wettbewerbsjury der 63. Filmfestspiele in Cannes leiten. Dort war er bereits 1997 Mitglied der Jury.

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