Im Interview: Teepapst Thomas Grömer

Mittlerweile erfreut sich Tee immer größerer Beliebtheit. Ein Grund mehr für uns den „Teepapst“ höchstpersönlich zu interviewen und mehr über die Leidenschaft des Tee-Trinkens zu erfahren.

Herr Grömer, Sie sind der einzige ausgebildete Experte für japanische Tees in Europa – Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen bzw. wie qualifiziert man sich als Experte für japanische Tees?

„Ich habe in Wien und Paris Wirtschaftsjapanologie studiert und meine Abschlussarbeit über „Die Produktion von Grünem Tee in Shizuoka“ geschrieben. Neben den sehr guten Japanisch-Kenntnissen, die ich im Studium erworben habe, beste Voraussetzungen für den nächsten Schritt: Ich habe zwei Jahre in Shizuoka (ca. 150km westlich von Tokyo und Zentrum der Japanischen Teeindustrie) gelebt und an der dortigen Universität „Tea Science“ studiert. Einen Großteil meiner Zeit habe ich jedoch in der Natur verbracht, in den Teefeldern, bei den Teebauern, bei der Ernte und Produktion. Darüber hinaus habe ich bei mehreren Teefirmen Teatasting, also das professionelle Verkosten von Japantees erlernt – eine sehr spannende und lehrreiche Zeit.“

Wie kann man eine solche Ausbildung erlangen?

„Es handelt sich nicht um eine Ausbildung im klassischen Sinne, dazu waren einfach zu viele Faktoren hilfreich: Sprachkenntnisse, richtige Universität in Japan, Leben & Arbeiten im Zentrum des Japanischen Teeanbaus, der richtige Studiengang und sehr gutes Networking mit allen wichtigen Entscheidungsträgern in der Teeindustrie, mit Journalisten und mit der Präfektur Regierung – wer ähnliches machen will, dem kann ich nur gerne Tipps geben, wie er sich gut vorbereiten kann um auch vergleichbar erfolgreiche Jahre in Japan zu verbringen.“

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für Tee entdeckt?

„Mit 18 Jahren kam ich zum ersten Mal nach Japan – alles neu, reizvoll, spannend. Und an jeder Ecke: Tee. Und zwar richtig, richtig guter. Anfangs war das ein sehr neuer, fremdartiger Geschmack (wer in den 80er Jahren in Deutschland grünen Tee im nassen Aufgussbeutel getrunken hat, weiß heutzutage, dass diese Qualitäten nicht zur Weltspitze zählten). Und dann plötzlich der Kulturschock: zurück nach Europa. An jeder Ecke: Kaffee. Tee gab es, wenn überhaupt, dann schwarz, oder in Beuteln – mir hat plötzlich etwas gefehlt. Tee ist die Basis für das Wohlbefinden, ein Wissen, dass in Asien viele tausend Jahre bekannt ist.“

Wie kam es zum Namen Teepapst bzw. was steckt dahinter?

Teepapst ist zu einem Spitznamen unter meinen Freunden geworden – wohl weil ich immer viel und gerne auch ungefragt über Tee erzähle und dabei mit dem einen oder anderen „Teemärchen“ aufräume. Die Seite Teepapst.com möchte spannende & unabhängige Geschichten um und über Tee bringen. Viele Leute ernähren sich heutzutage bewusst und lesen gerne über Gourmet-News, über Wein, investieren viel Geld in Morgenkaffee / Weinkeller / Käsehöhle. Dass Tee der Spitzenklasse vergleichsweise günstig ist, und dass Tee soviel Vielfalt, Sorten und spannende Geschichte zu bieten hat, das wissen nicht so viele Leute. Und genau das möchte die Teepapst-Seite gerne erzählen.“

Wie sehen Sie den Trend der Tee-Entwicklung? Glauben Sie, dass Tee in Europa oder speziell in Deutschland irgendwann den Stellenwert von Kaffee einnehmen wird?

„International gesehen liegt Tee im Konsum voran – Tee ist das beliebteste Getränk nach Wasser. Und auch in Deutschland tut sich einiges, der Teekonsum steigt langsam, aber beständig an. Wichtig sind hier weniger absolute Zahlen als klare Trends: Tee wird von immer jüngeren Leuten getrunken, die Teefirmen sind innovativ, entwickeln neue, spannende Kreationen und auch richtig geschichtsträchtige Tees werden trendy: Matcha Tee, von Zen-Mönchen zur Meditation erfunden erfreut sich als hipper Matcha Latte oder Matcha Smoothie stark steigender Beliebtheit .“

Haben Sie eine Lieblingsteesorte? Können Sie eine Empfehlung für unsere Leser abgeben?

„Ich trinke alle Teesorten sehr gerne, am liebsten jedoch die überschatteten Japanischen Grüntees. Grünteetrinkern empfehle ich vor allem Japantees, die absolute Spitze im Grünteesegment. Exzellente Tees für Genießer sind auch Oolong Tees, Darjeeling und vor allem die stark aufstrebenden Sorten aus Nepal.“

Woher beziehen Sie ihren Tee? Haben Sie einen Teehändler Ihres Vertrauens?

„Heutzutage gibt es im deutschen Teehandel keine schlechten Tees. Insbesondere in den Teefachgeschäften finden sich eigentlich nur gute bis sehr gute Qualitäten. Persönlich kaufe ich sehr gerne bei TeeGschwendner ein, einfach weil es dort immer alle meine Lieblingstees gibt – in fast jeder bedeutenden deutschen Stadt existieren jedoch mindestens 2-3 exzellente Teehäuser vor Ort, die auch sehr gute Beratung und Qualität bieten.“

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Leserbriefe

2 Kommentare

Jan Jakowiak #

10. Januar 2011 // 15:00

Interessanter Artikel, ich mag auch sehr sehr gerne grünen Tee, tendiere aber da absolut zu dem im Artikel genannten Matcha. [Werbelink entfernt]

Gruß
Jan

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UTee Matcha #

19. Januar 2013 // 18:11

DANKE Thomas für diesen spannenden, lehrreichen Samstag-Nachmittag. Liebe Grüße Utee 😉

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