Marie Tussaud: am Anfang war das Wachs

Oft sind sie so echt, dass man nicht weiß, ob man es mit der Kopie oder dem Original zu tun hat: Die Wachsfiguren im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussaud. Berlin, New York, Hongkong, Amsterdam, Las Vegas – kaum eine Großstadt, in der es kein Wachsfigurenkabinett mit dem berühmten Namen gibt. Doch wer war eigentlich Madame Tussaud? Heute wäre die aus Straßburg stammende Dame 250 Jahre alt geworden. Die Technik der Wachsbildnerei, auch Ceroplastik genannt, erlernte die mittellose Dame von einem gebildeten Schweizer Arzt.

Die Anfänge

Geboren wurde Marie Tussaud als Marie Grasholtz im Jahr 1761 in Straßburg. Als die verwitwete Mutter, Anna-Marie Walder eine Anstellung als Hausmädchen beim Schweizer Arzt Dr. Philippe Curtius in Bern erhielt, war dies der erste Kontakt Maries mit der Welt der Ceroplastik. Der Mediziner Curtius baute zur Anschauung menschliche Organe aus Wachs und auch erotische Miniaturen zum Verkauf. Von Curtius erlernt die talentierte Marie die Grundlagen der Ceroplastik: die richtige Mischung der verschiedenen Wachsfiguren, das Einsetzen der Haare, Zähne und Augen, das Modellieren der Oberfläche.

Versailler Hof und Paris 1780-1802

1780 wird Marie die Kunstlehrerin von Prinzessin Elisabeth, der Schwester König Ludwig XIV. Fortan lebt sie am königlichen Hof in Versailles bei Paris, die Wirren der Französischen Revolution sorgen jedoch für ein jähes Ende der Tage am Hof und Marie kehrt nach Paris zurück. Für die Sansculotten muss sie Abgüsse der Enthaupteten während der letzten Tage der Revolution aus Wachs anfertigen. Zu ihren Wachsfiguren gehören außerdem Berühmtheiten wie Rousseau, Voltaire und Benjamin Franklin.

England-Reisen 1802-1835

Nach dem Tod von Dr. Philippe Curtis erbt Marie dessen Figurensammlung 1794. 1795 heiratet sie den französischen Ingenieur François Tussaud. Aus der Ehe gehen zwei Söhne hervor: François und Joseph. Acht Jahre nach der Hochzeit lässt Marie sich von ihrem Mann scheiden. Gemeinsam mit dem jüngeren Sohn Joseph reist sie 1802 nach England. Dort führt sie die folgenden 33 Jahre lang das Leben einer reisenden Schaustellerin, sie zieht mit dem Wohnwagen von Stadt zu Stadt, organisiert Werbung und versorgt die Zeitungen mit verschiedenen Anekdoten. In dieser Zeit entstehen viele neue Wachsfiguren.

Baker Street Bazar 1835-1884

Im Jahr 1835 eröffnet Marie Tussaud ihre künftigen Ausstellungsräume in „The Bazar“ in der Baker Street in London. Im Jahr 1846 prägt das Punch Magazine die Bezeichnung „Kammer des Schreckens“ für jenen Raum bei Madame Tussaud, in dem die Guillotine-Opfer der Französischen Revolution ausgestellt sind. Im hohen Alter war Marie Tussaud großer Erfolg beschieden: Erfolgreich setzte sie sich gegen den Verkauf an amerikanische Interessenten durch, sie veröffentlichte ihre Memoiren und wurde durch Charles Dickens als Mrs. Jarley in seiner Geschichte der Raritäten sowie durch Karikaturen von Cruikshank verewigt. Marie Tussaud starb im Alter von 81 Jahren am 16. April 1850 in London.

Madame Tussaud heute

Seit 1971 eröffneten weltweit weitere Niederlassungen der Londoner Ausstellung. Berühmte Schauspieler, Filmstars, Politiker, Models, Musiker und Sportler sind in ihren faszinierend echt aussehenden Wachsfiguren-Alter-Egos mittlerweile in elf Städten weltweit zu bewundern. Die Berliner Filiale Unter den Linden präsentiert auf 2500 Quadratmetern und zwei Etagen Persönlichkeiten wie Angela Merkel, Albert Einstein, Sigmund Freud, Nina Hagen und Uwe Seeler.

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