Marc-Uwe-Kling: Kind der Umstände

Unter der Rubrik „Portrait“ findet sich folgender Eintrag auf der Homepage von Marc-Uwe Kling, Jahrgang 1982: „Marc-Uwe Kling wurde geboren als Kind der Umstände. Er studierte an der Großen Akademie von Lagado, wie man ein Haus vom Dach her nach unten baut. Er durchreiste das Riesenreich der Mittel, ohne zum Punkt zu kommen. Er hat zweimal hintereinander die deutschsprachigen Poetry Slam Meisterschaften gewonnen, obwohl er keine Facebook Freunde hatte. Er hat ein Soloprogramm gemacht namens „Wenn alle Stricke reißen, kann man sich nicht mal mehr aufhängen“ und wurde dafür mit Kabarettpreisen beworfen. Das gab Beulen. Er hat über seinen Mitbewohner, ein kommunistisches Känguru, ein kapitalismuskritisches Buch geschrieben, welches sich total gut verkauft hat. Außerdem macht er mit seiner Band „Die Gesellschaft“ Reformhauspunk und am Ende muss wieder der Steuerzahler für alles aufkommen. Hey. Ho. Let’s go.“

Comedy? Blöde. Kabarett? Öde.

Das ist sicherlich ein kurzer und treffender Abriss über den Werdegang des gebürtigen Schwaben, dessen Auftritte sich innerhalb von acht Jahren vom Wohnzimmergig zur abendlichen Bespaßung eines stetig größer werdenden Publikums mauserten. Auf ein Genre will sich der Wahlberliner nicht festlegen lassen, „Comedy“ klingt ihm zu sehr nach RTL II, mit „Kabarett“ assoziiert er trocken und verbissen. Und das sind die Geschichten, die sich um das literarische Alter-Ego Klings und seinen Mitbewohner, das kommunistische Känguru mit Affinität zu Schnapspralinen, Nirvana und rechthaberischen Äußerungen über die Gesellschaft drehen, ganz sicher nicht.

Ein Känguru geht um in Europa

Angefangen, wie man immer so schön sagt, hatte alles in Berlin, wo auch sonst. Hierher kam Marc-Uwe Kling mit 20 Jahren, um Theaterwissenschaften und Philosophie zu studieren. Nebenbei drehte er ein paar Kurzfilme, gab dies jedoch wieder auf, weil ihm das Drehen zu anstrengend war. Doch die Berlin-Erlebnisse müssen raus: Kling schreibt Lieder und Kurzgeschichten, die sich meist um sein Berliner WG-Leben drehen. Das hat er mittlerweile im wirklichen Leben aufgegeben, vielleicht um es nunmehr in einer noch publikumswirksameren Weise literarisch aufleben zu lassen. Mittlerweile begeistert Kling bereits mit dem „Känguru-Manifest“, dem zweiten Teil der urkomischen Känguru-Geschichten, Leser und Hörbuch-Fans. Der erste Band, „die Känguru-Chroniken“ brachte Kling den Durchbruch. Für den Podcast „Neues vom Känguru“, der wöchentlich auf der Berliner Radiostation Fritz läuft, erhielt Kling den deutschen Radiopreis in der Kategorie „Best Comedy“.

Liebe in den Zeiten der Cola

Bereits 2004 rief Kling die Lesebühne „Lesedüne“ ins Leben, wo er noch heute jeden zweiten und vierten Montag im Monat Geschichten, Lieder und Gedichte zum Besten gibt, 2005 ging er mit seinem Soloprogramm „Wenn alle Stricke reißen, kann man sich nicht mal mehr aufhängen“ auf Tour. Für sein humoristisches Werk gewann Kling bereits zahlreiche Preise, bereits zweimal räumte er den Hauptgewinn beim deutschsprachigen Poetry-Slam ab. Wenn er nicht gerade mit dem Känguru streitet oder die „Lesedüne“ präsentiert, ist Kling außerdem mit seiner Band „Die Gesellschaft“ unterwegs und kredenzt Ohrwürmer über die Liebe in den Zeiten der Cola.

Die Anti-Terror-Zelle schlägt zu

In dem Berlin, das der literarische Kling mit dem Känguru bewohnt, gibt es ein Ministerium für Produktivität, das ausländische Mitbürger in „produktiv“ und „unproduktiv“ einteilt. In den Straßen verkünden Plakate Slogans wie „Ich arbeite gern – für meinen Konzern“ oder „Ich schwimm bis nach Birma – für meine Firma“. Das Känguru übt einen Anti-Terror-Anschlag auf die Plakate aus und übermalt sie mit dem Spruch „Wollt ihr den totalen Arbeitsplatz?“. Über sein Wirken sagt Kling selbst: „Um es ganz grob zu definieren: Meine Pointen sollen die treffen, die Herrschaft ausüben und nicht auf Kosten derer gehen, die unterdrückt werden“. Objekt seiner Kritik ist oft die Gesellschaft, die sich über Arbeitsplätze und Produktivität definiert. Zurzeit ist Kling mit seinem Bühnenprogramm, in dem er das „Känguru-Manifest“ vorstellt, auf Tournee. Ein dritter und letzter Teil der Känguru-Geschichten, die „Känguru-Offenbarung“, hat er bereits angekündigt. Hoffen wir, dass die Schnapspralinen noch lange ausreichen.

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