Gunter Sachs – das Leben als Gesamtkunstwerk

Er war Unternehmer, Kunstsammler, Dokumentarfilmer, Fotograf, Lebemann, Astrologieforscher, Bobfahrer, Individualist und – schenkt man den zahlreichen Nachrufen in Zeitungen und Magazinen Glauben – der „letzte Playboy“. Jetzt hat Gunter Sachs sich in seinem Anwesen 78jährig das Leben genommen. Es gab viele Männer, die Gunter Sachs verachteten – und sich dennoch wünschten, an seiner Stelle zu sein. Wie kein anderer verkörperte Sachs in den 60er Jahren den unkonventionellen Lebensstil zwischen Frauen, Jetset und Kunst, der sein Leben zum Gesamtkunstwerk machte.

„Der letzte Playboy“

Das Leben als Gesamtkunstwerk – so betrachtete und lebte der bei Schweinfurt geborene Sohn des Industriellen Willy Sachs sein langes Jetsetter-Leben. Frauen hatte der medial präsente spätere Kunstliebhaber stets an seiner Seite – ein Umstand, der ihm in den 60er Jahren sein unerschütterliches Playboy-Image einbrachte.

Seine Ehe mit der französischen Filmschauspielerin Brigitte Bardot hielt zwar nur drei Jahre – um die Frau, die damals als eine der schönsten der Welt galt, beneidete Sachs wohl so mancher. Zu seinem Image als ewiger Playboy trug neben der Ehe mit Bardot auch die Liaison mit der persischen Ex-Kaiserin Soraya bei, seit der die Fotografen Sachs auf Schritt und Tritt verfolgten. Als der Paparazzi-Wahn noch in den Kinderschuhen steckte, war Sachs eines der ersten begehrten Foto-Objekte des bebilderten Sensationsjournalismus. Von Sachs als Opfer der Fotografen kann man wohl schwer sprechen, hatte der stets braun gebrannte Lebemann, dessen Leben zwischen St. Tropez und St. Martin stattfand, die Zügel scheinbar stets in der Hand – Selbstinszenierung nicht ausgeschlossen.

Sachs als Kunstliebhaber und Fotograf

In den letzten 40 Jahren seines Lebens fiel Gunter Sachs nicht mehr durch ausschweifende Partys auf, sondern durch künstlerische Aktivitäten. Durch seine Kontakte zu Künstlern wie Andy Warhol, Yves Klein und Salvador Dalí konnte Sachs sich im Laufe der Jahre eine der bedeutendsten europäischen Kunstsammlungen anlegen.

Seine Fotos, auf denen Sachs neben Landschaften vor allem nackte Frauen festhielt, fanden Anerkennung: Seine Leipziger Ausstellung „Die Kunst ist weiblich“ von 2008 besuchten immerhin 54.000 Zuschauer. Für die Ausstellung ließ Sachs die legendäre Turmwohnung vom Palace Hotel in St. Moritz nachbauen, die Ende der 60er Jahre sein Wohnsitz war. Andy Warhol hatte damals die Küche entworfen, Roy Lichtenstein durfte seiner Phantasie bei Badewanne und Bettwäsche freien Lauf lassen. Auch die erste Ausstellung in Sachs‘ Hamburger „Galerie an der Milchstraße“ widmete er Anfang der 70er Jahre Andy Warhol, mit dem ihn eine lange Freundschaft verband.

Sachs machte sich auch als Dokumentarfilmer einen Namen: Sein Wintersport-Film „White Happening“ aus dem Jahr 1970 machte vor allem durch die Verwendung der damals noch neuen Extremzeitlupe von sich Reden und wurde mit diversen Preisen ausgezeichnet, darunter der erste Preis des Internationalen Olympischen Komitees.

Sachs und die Astrologie

Einen wissenschaftlichen Hintergrund kann man Sachs nach einem Mathematik- und Wirtschaftsstudium in Lausanne durchaus unterstellen – trotzdem gründete Sachs  1995 ein „Institut zur empirischen und mathematischen Untersuchung des möglichen Wahrheitsgehalts der Astrologie in Bezug auf den menschlichen Charakter“. Sein Buch „Akte Astrologie“ stand 1997 mehrere Wochen lang auf der Bestsellerliste, wurde in Fachkreisen jedoch kritisch kommentiert.

Schicksalsschläge blieben Sachs trotz seines finanziell sorgenfreien Lebens in den Mekkas der Schönen und Reichen nicht erspart: Nach dem Selbstmord seines Vaters im Jahr 1958 musste er den Tod seiner ersten Frau Anne-Marie-Faure im selben Jahr hinnehmen, die an den Folgen eines Narkosefehlers starb. Sein Bruder Ernst-Wilhelm kam 1977 bei einem Lawinenunglück ums Leben. Am 7. Mai 2011 nahm sich Gunter Sachs in seinem Schweizer Haus in Gstaad das Leben, nachdem er erkannt hatte, an der „ausweglosen Krankheit“ Alzheimer erkrankt zu sein.

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