„Schweine können fliegen“ – Für Damien Hirst ist nichts unmöglich

2008 war es mal wieder soweit: Damien Hirst präsentierte ein neues Kunstwerk und stieß damit – wie schon so oft – nicht nur auf wohlwollende Reaktionen. Resultat seines künstlerischen Schaffens war diesmal ein mit Diamanten besetzter Platinabguss eines Säuglingsschädels. Das Kunstwerk mit den Namen „For Heaven’s Sake“ bildet die Nachfolge des mit 8601 Diamanten besetzten Schädelabgusses „For the Love of God“, mit der Hirst Damien Hirst 2007 im Londoner „White Cube“ überraschte.

Die Kunst des 1965 im südwestenglischen Bristol geborenen Briten ist bekannt für seine Grenzüberschreitungen, in denen Kunst, Wissenschaft und Medien eine provozierende Synthese eingehen. Präparierte Tierleichen, Totenschädel, Seziertische, Medikamentenschränke, Büromöbel und Schmetterlinge sind nur einige der besonderen Versatzstücke, mit denen Hirst seine Auffassung der Doppeldeutigkeit menschlicher Erfahrung für die Kunst geltend macht.

Damien Hirst war der Mitbegründer der im Jahr 1988 gegründeten Künstlergruppe „Young British Artists“, einer Gruppe von Künstlern, die in den 90er Jahren die Kunst in die Mitte der Gesellschaft brachte. 1988 organisierten die „Young British Artists“ die vielrezipierte Kunstausstellung „Freeze“ in einem leer stehenden Lagerhaus in einem Londoner Hafenviertel, bei der Hirsts Werke und die vieler anderer Künstler ausgestellt wurden.

„The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living“

Hirst machte vor allem durch Tierplastinate von sich reden, die Themen wie Tod, Krankheit und Vergänglichkeit in Allegorien fassen und den Betrachter in ihrer Unabwendbarkeit faszinieren bis verstören. Zu seinen bekanntesten Werken gehört ein in Formaldehyd eingelegter, halbierter Tigerhai, der wie ein Exponat in einem Naturkundemuseum präsentiert wurde. Die Haiplastik „The Physical Impossibility of Death in the Mind of Someone Living” war DAS ikonische Kunstwerk der 90er Jahre und verdeutlicht die Vergänglichkeit irdischen Lebens und die Angst der Menschen vor dem Tod auf beeindruckend intensive Weise: Das Tier wird mit zunehmender Lagerzeit unscharf, die Ränder verschwimmen und das eingelegte Material löst sich langsam auf und trübt die es umgebende Flüssigkeit.

Memento Mori

Das Werk war in der Öffentlichkeit ebenso umstritten wie ein von Hirst ähnlich präpariertes Schaf mit dem Titel „Away from the Flock“, das 1994 in einer Ausstellung präsentiert wurde.

1996 präsentierte Hirst „Some Comfort gained from the Acceptance of the inherent lies in Everything“, mehrere als Ganzkörperschnitte präparierte Kühe, die in mit Formaldehyd gefüllten Behältern arrangiert wurden. Mit der unabdingbaren Vergänglichkeit von Existenz beschäftigt sich Hirsts Käfiginstallation „A Thousand Years“, in dem unzählige Fliegen um einen verwesenden Kuhkopf schwirren und diesen langsam zersetzen.

Weniger spektakulär und doch den medizinischen Diskurs nicht aus dem Auge lassend sind Hirsts Stillleben „Still“ von 1994, in dem medizinische Geräte in einem Apothekenschrank arrangiert sind oder „Pharmacy“, eine Anordnung pharmazeutischer Erzeugnisse in Regalen.

Hirsts Werke in Berlin

Hirst gilt als reichster Künstler der Gegenwart. Sein diamantenbesetzter Schädel „For the Love of God“ wechselte bei Sotheby‘s als das teuerste Kunstwerk der Welt für 50 Millionen Pfund den Besitzer. Das Meereskundemuseum in Monace präsentiert ab Anfang April die bedeutendsten von Hirsts Kunstwerken unter dem Titel „Cornucopia“. Ende April ist die Ausstellung in der Berliner Galerie „Haunch of Venison“ zu bewundern.

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