Andy Warhol: Der Alltag im Museum

„Andy war Pop und Pop war Andy“, heißt es vom New Yorker Kunst-Mäzen Henry Geldzahler. Auch wenn es zu seinen Lebzeiten manchmal nicht danach aussah: Heute gilt Andy Warhol unumstritten als einer der wichtigsten Vertreter der Pop Art. Der amerikanische Maler, Grafiker, Filmemacher und Designer schuf Werke, deren Symbolwert bis heute ungebrochen ist: Campell’s Tomato Soup, Elvis, Mao, Marilyn Monroe – Warhol hat mit seinen Siebdrucken und Reihen ewige Denkmäler geschaffen.

Warhol wurde am 6.8.1928 in Pittsburgh, Pennsylvania als Kind tschechischer Einwanderer unter dem Namen Andrew Warhola geboren. Später kokettierte Warhol gern mit seinem Geburtsdatum. Seine Angaben reichten vom 6.8 1928 bis zum 8.8.1931. Nach einer Lehre als Schaufensterdekorateur studiert Warhol von 1945 bis 1949 Pictorial Design, Kunstgeschichte, Soziologie und Psychologie am Carnegie Institute of Technology. Ab 1949 lebte Warhol in New York.

Dort schlägt er sich zunächst als Werbegrafiker für Modemagazine, Illustrator und Schaufensterdekorateur durch, bevor er schließlich als Künstler und Werbegrafiker Fuß fassen kann: Die ersten künstlerischen Bilder entstehen 1960. 1962 richtete Warhol sein legendäres Atelier, die „Factory“, die als ein Ort der Gegenkultur zur Wohn- und Arbeitsstätte wurde und wo Mitarbeiter und Freunde Warhols jahrelang an der „Produktion“ von Kunst mitarbeiten. Doch die Anfänge sind nicht leicht für Warhol: In der Künstlerhochburg New York bekommt er von Kollegen wie Roy Lichtenstein, Robert Rauschenberg und Jasper Johns anfangs nur die kalte Schulter gezeigt, man kritisiert Warhol vor allem als „kommerziellen Künstler“.

Der Alltag wird zum künstlerischen Ereignis

In diesem Zeitraum entstehen die ersten Serien mit den weltberühmten Campbell’s Soup Cans und den CocaCola-Cans. 1962 nimmt Warhol außerdem an der Ausstellung „The New Realists“ in New York teil, die als Geburtsstunde der Pop-Art gilt. In der folgenden Zeit entstehen die berühmten Siebdrucke aus Acrylfarbe, für die Warhol als Vorlagen Pressebilder von Unfällen, Flugzeugabstürzen und anderen Bildern von Katastrophenmeldungen verwendete. Außerdem bildet Warhol Verpackungen und Alltagsgegenstände als Karton- und Holzskulpturen ab.

Hinter dieser Massenreproduktion von Konsumgütern und belanglosen Gebrauchsgegenständen verbirgt sich für Warhol die Suche nach den Zeichen des Verfalls der Konsum- und Massenkultur seiner Zeit. Die Serienproduktionen der Arbeiten lenkten den Blick vom Motiv zur Machart und analysieren den American „Way of Life“ in seiner Sensationsgier und seiner Trivialkultur: Zu den bekanntesten gehören neben den Tomatensuppendosen und den Cola-Dosen, Werke, in denen sich die Grenzen zwischen bildender Kunst und Kommerz aufheben, auch die farbigen Siebdrucke von Marilyn Monroe (1967), Elvis Presley (1964), Jackie Kennedy (1965) und Mao Tse Tung (1972).

„Velvet Undergound“ und Begegnungen mit Koryphäen

In die 60er Jahre fällt auch die intensive Beschäftigung Warhols mit dem Film. Seine spezielle Filmästhetik entstand durch besonders lange, statische Kameraeinstellungen und durch den Verzicht auf Schnitte und Montage. Neben unzähligen Gemälden, Siebdrucken und Fotografien produzierte Warhol 150 avantgardistische Filme; darunter „Sleep“, eine sechsstündige Aufzeichnung eines schlafenden Mannes. Ab 1966 beginnt die Zusammenarbeit mit der Rockband „Velvet Underground“ und Warhol arbeitet auch in Nachtclubshows gemeinsam mit der Band, deren erstes Album er finanzierte und produzierte.

Ab 1984 arbeitet Warhol auch mit Jean-Michel Basquiat und Francesco Clemente zusammen. Heute vor 25 Jahren stirbt Andy Warhol unter bis heute ungeklärten Umständen an den Komplikationen einer Operation an der Gallenblase. Er wurde anschließend in seinem Geburtsort Pittsburgh beigesetzt. Andy Warhol hinterlässt mit seinem Tod eines der umfangreichsten Werke der zeitgenössischen Kunstgeschichte. Bis heute ist sein Schaffen Inspirationsquelle für Künstler weltweit. Nach seinem Tod fanden sich die zerstrittenen Mitglieder von „Velvet Underground“, Lou Reed und John Cale wieder zusammen und schufen als Denkmal für den verstorbenen Mentor und Künstler den Song-Zyklus „Songs for Drella“.

Gebührender Nachlass

Im Jahr 2007 erzielte Warhols „Green Car Crash“ aus dem Jahr 1963 aus der Reihe „Death and Disaster“ bei einer Auktion den Rekordpreis von 71,1 Millionen Dollar – mehr als das Vierfache der Auktionsrekorde von Johns und Rauschenberg. Die Bedeutung Warhols wird heute nicht nur in der Kunst- sondern auch in der Modeszene deutlich: 1969 rief Warhol das Magazin „Interview“ ins Leben, das insbesondere in den USA bis heute nicht aus der Presselandschaft in den Bereichen Damen- und Herrenmode, Kunst, Kultur und Musik wegzudenken ist. Die Mischung aus anspruchsvollen Interviews, Promis, Glamour und nackter Haut gibt es seit Januar auch in der deutschen Printversion. Das Heft bleibt eine Reminiszenz an seinen Gründer Andy Warhol: Die deutsche Nr.1 wartet mit 40 Seiten von und mit Warhol auf, inklusive mehreren Auszügen aus seinen Interviews mit Michael Jackson, Mick Jagger und anderen Sternen am Promihimmel auf.

Das Label Jockey, das für Männerunterwäsche bekannt ist, nimmt den 9.Juli 1962, die Eröffnung der ersten Einzelausstellung Warhols in New York, als 50 jährigen Jubiläumsanlass für eine Neuauflage der bekanntesten Unterwäscheform der Männerunterwäsche, den Y-Front©, und bekundet so seine Hochachtung vor dem Künstler Warhol, der bekennender Träger der Unterwäsche von Jockey war und seine Leidenschaft für die Marke 1970 in einem berühmten Kunstwerk verewigte: In Kooperation mit den Rolling Stones entstand das Cover für die LP „Sticky Fingers“, die 1971 erschien. Es zeigt einen jungen Mann in knallengen Röhrenjeans mit eingebautem und sogar funktionierendem Reißverschluss. Nach dem Öffnen konnte man den Mann in weißer Unterwäsche mit klassischer Y-Front© von Jockey sehen, ein Eklat für die konservativen Kritiker. Auf der Rückseite der LP wurde der Slip vom Künstler mit einem $-Zeichen versehen und 2008 zuletzt im Rahmen der Ausstellung des Designers Carlos Diez gezeigt. Die Modelle der Neuauflage 2012 erscheinen in den Trendfarben Navy und Türkis.

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