Leinen – des letzte Hemd des Althippies?

Leinen – wenn Mann dies hört, dann ist die erste Assoziation oft ein eher unvorteilhafter Knitterlook für businessuntaugliche Hemden, Hosen und Sakkos mit rustikalem Flair. Jedoch verfügt Leinen – bis auf die Neigung zu Knittern, die man kaum bestreiten kann – über viele positive Eigenschaften. Eine besonders edle Variante des aus Flachsfasern gewonnenen Gewebes hat es als Stoffgrundlage für Anzüge sogar in die Mode geschafft.

Eigentlich ein Allroundtalent – fast

Ein Blick auf das eingenähte Schildchen verrät die Pflegeeigenschaften des Materials: waschbar auch bei hohen Temperaturen, kochfest, schnell trocknend, bügelfähig. Die Faser ist außerdem wärmeisolierend und sehr hautfreundlich und deshalb für Allergiker besonders gut geeignet. Erste Runde bestanden. Doch da ist er – der Haken aka das berühmte Kleingedruckte: Leinen hat eine extrem geringe Elastizität und knittert aus diesem Grund sehr stark. In der klassischen Schneiderei findet Leinen aus diesem Grund auch kaum Verwendung. Schnitt und Passform eines Anzugs sind eben nicht in erster Linie darauf ausgelegt, trotz Knitterfalten gut auszusehen. Aus diesem Grund gehören Leinenanzüge vorwiegend in die Domäne der Designer-Kollektionen.

Berufsaufstiegschancen

Einige wenige namhafte Hersteller wie zum Beispiel Hugo Boss haben jedoch businesstaugliche Leinenanzüge entwickelt, die kaum Falten werfen oder knittern. Denn obwohl Leinen weithin als ein rustikaler Stoff gilt, kann er durchaus elegant aussehen und fügt sich in der Freizeit auch harmonisch in eine Kombination mit Stoffhosen oder Jeans ein. Als besonders alltagstauglich und trotzdem elegant hat sich dabei ein Farbton namens „Oat-meal“ erwiesen, ein lichtbeiger, minimal braun melierter Farbton, der sich mit nahezu allen Farben wunderbar kombinieren lässt und Fernweh nach Ländern in tropischen Klimazonen aufkommen lässt.

Es werde Hochsommer – nur in Leinen erträglich

Leinenstoffe sind die perfekte zweite Haut bei hochsommerlichen Temperaturen. Der Stoff schafft einen Ausgleich zwischen Körper- und Außentemperatur und wirkt wie eine kühlende zweite Haut. Weit geschnittene Hemden und Hosen sind besonders für den Freizeitbereich geeignet. Was kaum jemand weiß – im Winter wirkt Leinenstoff wärmend.

Wenn der Arbeitgeber keinen allzu festen Dress Code vorschreibt, können Leinenhemden im Sommer ein perfekter Ersatz für Businesshemden aus Baumwolle sein – schließlich kann Leinen 35% Luftfeuchtigkeit aufnehmen und schnell an die Umgebung abgeben. In der Regel werden Leinenhemden ohne Krawatte getragen, wenn der Dress Code eine Krawatte jedoch vorsieht, dann kann ein unifarbenes Leinenhemd durchaus mit Krawatte und einem legeren Jackett kombiniert werden.

Wem es der langlebige Stoff mit dem subtilen Bauernhof-Flair angetan hat, der wird mit einer Kombination aus Leinen und langfaseriger Baumwolle gut fahren. Das Resultat ist ein Stoff mit dem kühlen Griff und der typischen Leinenoptik, welcher zudem noch weich fließend sowie knitter- und bügelarm ist.

Nachdem der Anbau von Flachs in Deutschland in Deutschland kaum noch vorhanden war, gibt es aufgrund einer Zusammenarbeit des Instituts für biologisch-dynamische Forschung in Darmstadt und der Hess-Natur-Textilien GmbH seit 2005 übrigens eine Wiederbelebung dieses landwirtschaftlichen Zweigs. Zusammen mit hessischen Bauern wird aus Flachs 100%-Bio-Leinen gewonnen, wovon Bauern und Umwelt gleichermaßen profitieren.

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Leserbriefe

3 Kommentare

[…] Stoffes ist seine Knitteranfälligkeit. Vor allem im Job macht das keinen guten Eindruck. Oskar von Herrenblatt.de hat in seinem Artikel über den Leinenanzug allerdings darauf hingewiesen, dass es auch schon wenig […]

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grenzreiter #

30. Mai 2011 // 16:46

Hallo,

ein sehr guter Beitrag, denn durch das knittern ist das Leinenhemd bei mir nur fast die erste Wahl. Aber ich glaube jetzt könnte es sich bei mir im Schrank echt durchsetzen.

Danke

grenzreiter

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[…] wirken geschliffene Kokosnussknöpfe besonders schön – und an den neuen Bermudas aus Leinen kann im Sommer mit solchen Knöpfen schon mal ein echtes Safari-Feeling […]

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