Alles Bio oder was?

Bionudeln und Biomilch kaufen kann jeder. Der mittlerweile stabile Markt mit viel Konkurrenzdruck macht Bioprodukte mittlerweile eigentlich für jeden erschwinglich und auch erkennbar. In Sachen Bio-Baumwolle sieht die Sache schon ganz anders aus: Noch gibt es keine einheitliche Kennzeichnung, die die Bio-Richtlinien festlegt. Viele finden Kleidung aus biologischer Baumwolle außerdem einfach zu teuer. Essen wollen wir gesund – doch ist nicht ebenso wichtig, was wir an unsere Haut lassen? Unwissen trägt hier sicher zur Unsicherheit bei – und zur Gleichgültigkeit gegenüber den teilweise erschreckenden Folgen für Mensch und Umwelt, den der konventionelle Baumwolle-Anbau mit sich bringt.

Baumwolle: ein Steckbrief

Mit 33 Prozent Anteil an der weltweiten Produktion von Textilfasern und 75 Prozent Anteil an der Produktion von Naturfasern ist Baumwolle die mit Abstand am häufigsten eingesetzte Naturfaser für Heim- und Bekleidungstextilien. Die Pflanze gehört zur Familie der Malvengewächse. Ihre Frucht ist eine Kapsel, welche aufspringt, wenn sie reif ist und die typischen Baumwollknäuel freigibt, die aus 20 bis 40 behaarten Samen bestehen. Je länger diese sind, das heißt je höher also die „Stapellänge“, umso feiner ist die Baumwolle zu verarbeiten und desto wertvoller ist sie.

Chemie trifft auf Natur

Baumwolle ist eine Naturfaser mit hervorragenden hautsympathischen Eigenschaften. Kleidung aus Baumwolle ist grundsätzlich weich, atmungsaktiv, strapazierfähig, waschbar und hautsympathisch. Die Betonung liegt auf grundsätzlich, denn leider enthält ein herkömmliches Baumwoll-T-Shirt einen erheblichen Anteil an chemischen Substanzen. Bei der Ausrüstung, also der Verarbeitung der Baumwolle zu Satin, Jeans, Frottee, Jersey und anderen Qualitäten, werden oft Formaldehyde und Schwermetalle mit allergenem und krebserregendem Potential verwendet. Der billige Anbau und die billige Weiterverarbeitung von Baumwolle in Dritte-Welt-Ländern begünstigen dies, da etwa ein Fünftel der Zusatzstoffe nicht kennzeichnungspflichtig sind.

Sonderbehandlung

Die Bedingungen beim Anbau biologischer Baumwolle sind anders. Bei der Kultivierung herrscht ein Verbot von toxischen und biologisch nicht abbaubaren Düngemitteln. Gedüngt wird die Baumwolle mit Viehdung und mit Ölpressung. Als Pestizidersatz werden außerdem natürliche Produkte verwendet. Neben dieser „Sonderbehandlung“ ist der biologische Anbau von Baumwolle sehr bedeutsam für eine verträgliche Bodennutzung: Durch eine vorgegebene Fruchtfolge, bei der jedes Jahr andere Kulturpflanzen angebaut werden, wird der Boden nicht durch Monokulturen geschädigt. Gentechnik ist beim biologischen Landbau außerdem nicht zulässig.

Ein Preis, der sich lohnt

Zwar ist der biologische Anbau von Baumwolle teurer als herkömmlicher Landbau, jedoch fallen weniger Kosten für teure Chemie-Dünger und Pestizide an. Die Bauern erhalten außerdem höhere Preise für den Verkauf ihrer Erträge. Biologisch angebaute Baumwolle wird von Hand geerntet – dies ermöglicht die spätere Verarbeitung ohne Kapseln und Blattstücken, die bei maschineller Ernte zwangsläufig mit in die Ernte wandern und die Qualität der Kleidung mindern.

Auch bei der Verarbeitung biologisch angebauter Baumwolle gelten Richtlinien. So dürfen beispielsweise keine optischen Aufheller und chlorhaltige Bleichmittel verwendet werden, Bleichen ist nur auf Sauerstoffbasis gestattet. Gefärbt wird mit schwermetallfreien Farbstoffen ohne allergenes Potential. Formaldehydhaltige Kunstharze für die Pflegeleicht-Ausrüstung werden außerdem durch mechanische Verfahren ersetzt. Schutz gegen das Einlaufen erhält die Baumwolle durch Verfahren, bei denen Hitze, Druck und Feuchtigkeit eingesetzt werden. Somit ist die Baumwolle auch viel hautverträglicher und bietet sich besonders für Sachen wie Unterwäsche für Herren, T-Shirts oder sonstige Kleidungsstücke an, die direkt auf der Haut getragen werden.

Kaum Einheitlichkeit

Bio-Lebensmittel sind mittlerweile weit verbreitet und auch die Kennzeichnung ist durch das deutsche staatliche Bio-Siegel mittlerweile einheitlich geregelt. Bei der Bio-Baumwolle sieht dies leider nach wie vor ganz anders aus: Ein einheitlicher Standard und eine einheitliche Kennzeichnung fehlen. Die Menge an regionalen Organisationen überfordert Verbraucher nach wie vor und die Schaffung eines einheitlichen Gütesiegels ist leider noch nicht in Sicht.

Was kleine Label außerdem beklagen: Bisher sind leider nur wenige Menschen bereit, für ein T-Shirt zum Beispiel 30 Euro auszugeben anstatt  10 Euro wie bei großen Modeketten. Dass aber erst ein höherer Preis bessere Löhne in den Produktionsländern erzielen kann, ist vielen einfach nicht klar. Auch die Kontrolle der Arbeitsbedingungen ist oft schwierig. Gerade bei kleinen Unternehmen können die Kontrollen in den Ländern, die Baumwolle anbauen, diese ernten und verarbeiten, nur stichprobenartig erfolgen. Wie die Arbeiter zwischen den Kontrollen bezahlt werden, bleibt unklar.

Bio-Kleidung wie Sand am Meer – bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Doch die Existenz von noch so kleinen Labels zeigt, dass die Nachfrage vorhanden ist und dass mittlerweile immer mehr Menschen auf „saubere“ Kleidung setzen, die oft auch gleichzeitig „Fair Trade“ bedeutet.

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Leserbriefe

Ein Kommentar

Flow #

7. Juli 2012 // 20:26

Der Mann mit Stil trägt öko. Schön das Ihr das auch so seht. Aus Erfahrung kann ich Euch Kleidung mit dem GOTS Siegel empfehlen. Der Global Organic Textile Standard entwickelt sich nach und nach zum führenden internationalen Siegel für hoch ökologisch und sozial nachhaltige Kleidung. Mode mit diesem Siegel sind vom Baumwollanbau über die Veredelung bis zur Konfektion ökologisch und fair kontrolliert und zertifiziert.
Für schicke Herren Ökomode mit Stil nach dem GOTS kann ich Euch http://www.chochuri.com empfehlen.
Beste Grüße!

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