Cîroc Wodka – fünffach destilliertes Traubenwässerchen

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Das mit dem Wodka ist so eine Sache. Oftmals schütten wir ihn unbedarft und lieblos in unsere durstigen Kehlen. Lassen ihn mit minderwertigen alkoholfreien Getränken panschen oder sehen nur das Ziel vor Augen: Schnellstmöglich unsere Realitäten verdrängen zu können. Die Feinheit, Reinheit, der Geschmack spielenoft nur eine untergeordnete Rolle. An einem denkwürdigen Freitag sollte auf einmal alles anders werden.

Auf Bitten unserer lieben Freunde von Alexander and James wagten wir uns auf eine verführerische Mission. Das Sujet unserer Begierde: Cîroc. Ein Wodka. Herkunft: Frankreich. Fünffach destilliert. Keine minderwertige Kartoffel- oder Getreidebasis. Nein! Edle Trauben liefern die Grundlage für das feine Wässerchen.
Kennern der amerikanischen Hip-Hop-Kultur ist er wegen seines prominenten Markenbotschafters sicherlich ein Begriff. Das spielt hier aber keine Rolle.

Die Geschichte unseres sündigen Abends ist schnell erzählt. Das Ergebnis: 3 betrunkene Probanden stolpern zu achtziger Disko-Beats. Aber langsam. Uns ging es ja nicht um das Ergebnis sondern um das Erlebnis.

Wie testet man eigentlich einen Wodka?

Logisch! Vierfach: Pur. Mit Tonic. Mit Soda. Und einem Lemon. Wir entscheiden uns für Produkte von Thomas Henry. Die sahen schon im Getränkefeinkost so sophisticated aus, wie wir uns an diesem Abend fühlen sollen.

Also los! Drei Probanden – Cîroc – reichlich Gläser – Mixgetränke – und nur für den Notfall, dass wir den Geschmack loswerden müssen: Bier und Cidre.

Meine Mitprobanden sind merklich aufgeregt. Offenbar ist es ihre erste professionelle Getränkerezension. Ich zähle mit diesem – dem zweiten – Versuch bereits zu den alten Hasen im Geschäft. (Jeder der jetzt einen Alterswitz im Kopf hat, darf direkt die Seite verlassen! Ja. Ich meine es ernst.)

Die ersten Tropfen fließen zügig in unsere Gläser. Wir wiegen und riechen. Riecht man an Wodka? Egal. Wir riechen und trinken.

Proband 1: „Geht gut runter.“>

Proband 2: „Smooth und weich. Fruchtig. “

Proband 3: „Die Frucht ist aber nur vorne.“

Proband 2: „Lemon oder Citrus.“

Mein Gott, wir fühlen uns unglaublich kompetent und beschließen auf der Stelle unsere Jobs zu kündigen und von nun an als Wodkakompetenzen durchs Land zu touren.

Proband 2 traut sich an einen gewagten Geruchstipp. „Ist das Flieder? Oder was hängt man sich in den Schrank, um die Motten zu vertreiben? Lavendel oder Flieder.“ Mir ist das reichlich egal. Mein erstes Glas ist alle. Proband 3 hingegen ist sich ziemlich sicher: „Nicht blumig“.

Geschmacklich einigen wir uns vorerst auf ein unverbindliches „Citrus.“

Nach dem zweiten Glas fallen für die B-Note Sätze wie: „Prickelnd auf der Zungenspitze. Hinten ist er unverfänglich.“ Oder „Ein Wodka, den man so trinkt.“– Jetzt wisst ihr´s.

Wir geben dem Cîroc eine zweite Chance, sich zu beweisen. Cîroc + Thomas Henry Tonic.
„Eine absolute Sensation“ entfährt es mir. Um meiner Aussage Nachdruck zu verleihen, schiebe ich schnell Fetzen wie „Knaller“ oder „Unglaublich“ nach. Die Citrusnoten verbinden sich zu einer wahnsinnigen Geschmacksoffenbarung. Meine Mitkompetenzen schauen mich ungläubig sein. Sie sind nicht gefangen. „Da geht der ja voll unter.“ Das Glas ist leer und das Thema beendet.

Dem Lemon ergeht es in ihren Augen nicht besser. Er fällt durch. „Geschmacklich bleibt vom Cîroc einfach nichts über“, sagen sie, kippen ihr Glas runter und genehmigen sich hurtig einen weiteren puren Cîroc-Genuss. Ich bin leidenschaftslos. „Im Notfall ist das schon machbar.“

Beim Wodka-Soda wird es dann heftig. „Das ist eine Frechheit“ schießt aus dem Sprachzentrum von Proband 3. Etwas irritiert schauen wir uns an, sind uns im Grunde aber völlig einig. Als Wodka-Soda hat er bei uns keine Chance.

Meine Co-Rezensionisten lassen fortan nichts Fremdes mehr an ihren Wodka kommen.
Ich gebe dem Tonic noch zwei/drei Chancen. Das Bier bleibt derweil wohl verschlossen. An Cidre denkt niemand. Wir haben schließlich Cîroc.

Nach ca. 90 Minuten ist der Spaß dann auch schon vorbei. Der Cîroc ist leer – wir dafür auf Betriebstemperatur. Mit den Zungen versuchen wir die letzten Tropfen aus unseren Gläsern zu fischen. Ein größeres Kompliment kann man einem Getränk nicht machen.

Am Ende wird es dann ganz versöhnlich: Wir sind uns einig. Der Cîroc darf ruhig noch einmal vorbeikommen. Uns treibt es jetzt aber in die Nacht. Wir wollen die Botschaft verbreiten. Irgendwo wo es laut ist.

Also Freunde: Nieder mit dem Fusel. Trinkt was Ordentliches und raus in die Nacht. In diesem Sinne: Cîroc!

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