Pasta, Döner und Co. – Kleine Geschichtsstunde

Der Döner – Legenden der Leidenschaft

„Döner macht schöner“. Muss stimmen, denn an die 15.000 Dönerbuden in Deutschland und zwei Millionen verkaufter Döner täglich in Deutschland können kaum lügen. Nach einer durchzechten Nacht will das ausgehungerte Partyvolk auf den Straßen Berlins nur eins: Döner! Doch wo kommt es her, das fettige, triefende, leckere Objekt der Post-Party-Begierde? Eine der Lieblingsbehauptungen in Sachen Dönergeschichte ist die, das der Döner alles andere als ein türkisches Nationalgericht ist, sondern in Berlin, natürlich im Stadtteil Kreuzberg erfunden wurde. Klingt großartig, doch Beweise gibt es dafür nicht. Wir versuchen mal, etwas Licht ins Dunkel zu bringen, auch wenn der Fall Döner wohl nie ganz aufgeklärt werden kann.

Die Nachforschungen des in Berlin lebenden türkischen Meisterkochs Rennan Yaman ergaben, dass der Ursprung des Döners in der osmanischen Küche zu suchen ist. Vor etwa 160 Jahren erfand ein Meister Hamdi die Methode, Fleisch an einem senkrecht stehenden Spieß zu grillen. Mittags begann er mit der Vorbereitung und ab 14 Uhr verkaufte er den Döner, der bald wegging wie warme Semmeln. Allerdings verkaufte Hamdi den „Urdöner“ als Tellergericht mit Petersilie und Zwiebeln, auf Wunsch ergänzt mit Beilagen wie Reis, Tomaten, Gurken, Rettich und Peperoni.

Der Döner als Berliner Erfindung? Wohl kaum. Denn bereits seit Mitte der 60er Jahre gab es die gegrillten Fleischstücke mit Salatbeilage in Istanbul zu kaufen. Erst seit Beginn der 70er Jahre wird der Döner in den Straßen Berlins verkauft. Gerd Rüdiger, Currywurst-Experte, hat gleich noch einen Gründungsmythos des Berliner Döners zur Hand: Die in Berlin lebenden türkischen Besitzer von Imbissständen passten sich den Gewohnheiten der Hauptstadtbewohner, das Essen meist gehend auf der Straße zu verschlingen, an, nahmen kurzerhand das Lammfleisch vom Teller und füllten es mit Salat in Fladenbrotviertel.

Wer genau nun die Dönerisierung Berlins einleitete, bleibt im Dunkeln. War es Kör-Bilal, der 1971 einen Imbiss in Kreuzberg eröffnete? Oder Ahmet Yeter, ebenfalls in Kreuzberg? Auch Mehmet Aygün beansprucht den Titel des Dönererfinders für sich. Die Spurensuche nach der Geburtsstunde des Döners muss wohl aufgrund von fehlender Beweislage ad acta gelegt werden.

Pasta chinesische Art

Auch um die Nudel ranken sich geistreiche Legenden. Eine wurde vor allem populär durch eine Story, die vom amerikanischen Macaroni Journal veröffentlicht wurde: Ein italienischer Matrose namens Spaghetti, der mit der Flotte Marco Polos durch die Ozeane reiste, soll auf der Suche nach Trinkwasser an der chinesischen Küste eine Einheimische beim Nudeln kochen beobachtet haben. Er  nahm eine Kostprobe mit an Bord, wo Marco Polo dann begeistert nach dem Rezept fragte. Fortan hießen die langen Teigfäden nach ihrem „Entdecker“ Spaghetti. Die Geschichte sollte eigentlich ein Scherz sein, hat sich jedoch hartnäckig gehalten und ist zum Beispiel in abgewandelter Form im Abenteuerfilm „Die Abenteuer des Marco Polo“ von 1938 zu sehen.

Doch ganz von der Wahrheit über den wahrscheinlichen Ursprung der Nudel entfernt ist die Legende nicht, denn der Chinese Houyuan Lu, kein Fabelwesen sondern waschechter Geologe der chinesischen Akademie der Wissenschaften, hatte vor einigen Jahren eine wahrhaft wenig italienische Begegnung: In Lajia, einer jungsteinzeitlichen Ausgrabungsstätte in der Nähe des Gelben Flusses in Westchina fand Lu, schlummernd im Erdreich, das sonst zum Forscherglück eher durch gut erhaltene menschliche Skelette beigetragen hatte, etwas, was wir Deutschen ganz unkompliziert „Nudeln“ nennen würden. Das prähistorische Kohlehydratbündel hatte eine stolze Länge von einem halben Meter, war drei Millimeter dünn und, so beschreibt es Lu, von „frischer gelber Farbe“. Dies könnte wohl Anlass sein für die Identitätskrise abertausender langer Pastafäden mit Pesto, die weltweit gerade in diesem Moment auf Gabeln gewickelt werden.

Viva Italia? Der Mythos Pizza

Als der Kleinbauer Luigi eines Tages nichts mehr zu Essen hatte, belegt er kurzum ein Brot in den Farben seines Landes: Tomaten, Mozzarella, Basilikum und nannte die Speise, die er im Ofen erwärmte, nach seinem Schaf Pizza. Und dann lebten Luigi und seine Frau Antonia glücklich bis ans Ende ihrer Tage…Na ja, oder so ähnlich.

Wenn man sich darauf einigt, dass als Pizza auch ein auf Stein gebackenes Brot aus Mehl, Wasser und Salz gilt, das mit Olivenöl gewürzt wurde, dann geraten Weltbilder ins Wanken: Denn eine solche Speise war bereits bei den Etruskern um 800 vor Christus bekannt. Flammkuchen und flache Brote, die im vorheizenden Ofen mit gebacken wurden, sind außerdem seit Urzeiten bekannt und können schwerlich einer bestimmten Region zugeordnet werden. Lahmacun, heute auch als türkische Pizza bekannt, war außerdem bei den Assyrern bereits im 2. Jahrtausend vor Christus bekannt. Die Römer übernahmen die einfache Speise und so verbreitete sich die Methode der Zubereitung in ganz Italien. Ursprünglich war die Pizza ein einfaches Essen für Bedürftige. Erst als die Tomate zu Beginn des 16. Jahrhunderts ihren Siegeszug in Italien antrat, wurde aus dem trockenen Boden etwas, was wir heute als Pizza durchgehen lassen würden.

Ganz gleich wo die Ursprünge der Imbiss-Leckereien liegen mögen, ihre Beliebtheit bleibt ungebrochen. Doch wie sieht es mit dem Nährwert der köstlichen Mitternachtssnacks aus? Die Redaktion des Herrenblatt wird weiter fleißig recherchieren und Sie in Kürze auch darüber aufklären!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Leserbriefe

Ein Kommentar

Maik #

12. Mai 2011 // 14:05

Antworten

RSS-Feed zu diesem Beitrag