Im Anfang waren die Gewürze

Was heute Erdöl, Diamanten und Gold sind, waren im Mittelalter und zu Beginn der Neuzeit unter anderem Zimt, Muskatnuss, Pfeffer, Koriander und Ingwer. Wertvolle Gewürze dienten zu diesem Zeitpunkt aber nicht nur dem guten Geschmack, sondern wurden auch als Konservierungsstoffe und als Grundlage für Heilmittel genutzt. Zusätzlich war der Besitz bestimmter Gewürze ein Zeichen von großem Reichtum.

Aufgrund von archäologischen Funden wissen wir, dass schon ca. 7000 v. Chr., in der Jungsteinzeit, verschiedene Sorten von wildwachsendem Chilipfeffer bekannt waren. Neben den asiatischen Ländern wie Persien, Mesopotamien, Indien und China gab es auch in Ägypten schon weit vor dem Beginn unserer Zeitrechnung diverse Gewürze wie Kümmel, Senf, Kardamon und Anis. Diese wurden allerdings nicht nur zur Zubereitung von Speisen verwendet, sondern auch zur Körperpflege und insbesondere zur Einbalsamierung der Toten.

Indien – Geburtsstätte der Gewürze

Ab dem 12. Jahrhundert hatte Venedig seine große Blütezeit des Handels. Die Venezianer organisierten den Gewürzimport aus Asien über zwei Landrouten durch Persien und dem Kaukasus. Außerdem gab es noch den Seehandel über Ceylon, dem heutigen Sri Lanka, nach Alexandrien und von dort nach Venedig. Doch ewig sollte diese Vormachtstellung nicht bestehen bleiben. Im Jahre 1492 machte sich Christoph Kolumbus auf, einen Seeweg nach Indien zu entdecken. Wie wir heute wissen misslang dies zwar, aber er entdeckte, wie schon Jahrhunderte vor ihm die Wikinger, einen Seeweg nach Amerika. Von hier brachte er drei neue Gewürze mit nach Europa: Piment, Chili und Paprika.

Der Untergang des venezianischen Handelsimperiums wurde allerdings, neben den für die Türken erfolgreichen osmanischen Kriegen im 15. Jahrhundert, durch einen anderen Portugiesen herbeigeführt. Es war Vasco da Gama, der sieben Jahre nach Kolumbus den Seeweg nach Indien für die portugiesische Krone entdeckte. Hierdurch konnten endlich wertvolle Gewürze ohne die Abhängigkeit von Zwischenhändlern nach Europa importiert werden und Lissabon avancierte zu dem Handelszentrum für Gewürze in Europa. Neben all den positiven Faktoren brachte das Ganze auch einen negativen Aspekt mit sich: Die Pest aus Indien erhielt gleichfalls Einzug in Europa und wurde zur größten Seuche der damaligen Zeit.

So wertvoll waren Gewürze

Bis vor wenigen Jahrhunderten konnten sich nur wirklich wohlhabende Bürger die kostbaren Gewürze kaufen. Nicht ohne Grund stammt der abwertende Begriff „Pfeffersack“ für einen wohlhabenden Menschen aus der damaligen Epoche. Zeitweise wurde Pfeffer auch „schwarzes Gold“ genannt und mit echtem Gold aufgewogenen. Auch Zimt zählte damals zu den sehr kostbaren Gewürzen. So soll der mächtige Kaufmann Anton Fugger als Demonstration seines Reichtums im Jahre 1530 die Schuldscheine von Karl dem V. in dessen Beisein in einem Feuer aus Zimtstangen verbrannt haben.
Gewürze waren so wertvoll, dass den Wächtern der Londoner Docks noch bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts die Taschen zugenäht wurden, damit sie nichts mitgehen lassen konnten. Auch hoch im Kurs war zu diesem Zeitpunkt trotz drastischer Strafen das Fälschen von Gewürzen. Gewürzfälscher wurden häufig mit samt ihrer Ware bei lebendigem Leib verbrannt.

Gewürze heute

Die drei teuersten Gewürze unserer heutigen Zeit sind Safran, Vanille und Kardamom, welche allerdings lange nicht mehr so wertvoll sind, wie es Gewürze noch vor 500 Jahren waren. Während heute längst nicht mehr alle Gewürze in ihren Ursprungsländern kultiviert werden, gibt es noch zwei an ihrer Zahl, die nur an ihrem Herkunftsort vernünftig gedeihen. Ceylonkaneel, welches eine bestimmte Zimtsorte ist, und Piment welches seit seiner Entdeckung immer noch aus Mittelamerika kommt.

Wer sich für dieses Thema näher interessiert, dem sei das einzigartige Gewürzmuseum „Spicy’s“ in Hamburg ans Herz gelegt oder hier in Berlin der exotische Kräutergarten. Übrigens ist Hamburg noch heute der drittgrößte Umschlagplatz für Gewürze weltweit.

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