Engel des Bösen – Die Geschichte eines Staatsfeindes

Was Jaques Mesrine für Frankreich und Pablo Escobar für Kolumbien ist, das ist Renato Vallanzasca für das Italien der 70er und 80er Jahre: Staatsfeind Nummer eins – jahrelang wurde er von der italienischen Polizei verfolgt. Berühmtheit erlangt der mailändische Gangster vor allem durch seine spektakulären Fluchten aus verschiedenen Gefängnissen und die Brutalität seiner Verbrechen, mit der er und seine Männer immer wieder in die Schlagzeilen kamen. Auch das Leben des Mailänder Großkriminellen wurde nun mit Kim Rossi Stuart in der Hauptrolle von Regisseur Michele Placido verfilmt.

1985: Der 1950 geborene Mailänder Renato Vallanzasca (Kim Rossi Stuart) sitzt als Sträfling Nummer 38529H im Hochsicherheitstrakt des Gefängnisses Ariono Irpino ein. Als 9jähriger gerät Renato erstmals mit dem Gesetz in Konflikt, als er gemeinsam mit seinen Freunden, darunter Antonella, Vallanzascas „kleine Schwester“ aus Neapel, einen Tiger aus dem örtlichen Zirkus befreit. Renato landet in einem Heim, eine Erfahrung, die ihn nachhaltig prägt: Kaum aus dem Arrest entlassen begeht der charismatische Junge im Mailänder Viertel Comasina kleinere Straftaten. Bald darauf folgen erste Einbrüche, Entführungen und Morde, die Vallanzasca mit seinen Freunden begeht.

Kampf der Giganten

1972 lernt Renato mit seinen Kumpels Enzo (Filippo Timi), Nunzio (Lino Guanciale) und Rosario (Nicola Acunzo) die bildschöne Consuelo (Valeria Solarino) kennen und lieben. Vallanzascas Gang ist auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Die goldenen Zeiten begießen die Gangster mit Champagner, die luxuriösen Zeiten genießend. Unumstrittene Gebietshoheit über die Mailänder Unterwelt hat jedoch der berühmt-berüchtigte Francis Turatello (Francesco Scianna), der von allen nur „Engelsgesicht“ gerufen wird. Die Gang von Turatello und die Männer um Vallanzasca geraten im Club erstmals aneinander.

Wettlauf mit den Hütern des Gesetzes

Vallanzasca wird aus seiner Traumwelt gerissen, als er wegen eines Überfalls auf einen Geldtransporter verhaftet wird. Nach viereinhalb Jahren Haft in San Vittore gelingt ihm die Flucht. Er findet seine Comasina-Bande stärker vor als je zuvor: Mit Sergio (Moritz Bleibtreu) und Seppe (Paolo Mazarelli) hat die Gruppe kriminellen Zuwachs bekommen. Gleichzeitig werden die Revierkämpfe mit Turatello immer blutiger und die Zahl der Mordopfer, die die Gangster bei ihren kriminellen Machenschaften hinterlassen, steigt. Vallanzascos Name taucht immer häufiger in den Schlagzeilen auf, er ist mittlerweile über die Grenzen Mailands hinaus bekannt. Vallanzascas Glückssträhne findet ein jähes Ende, als zwei Polizisten von Vallanzascas Männern getötet werden. Der Gangster kann zunächst verletzt fliehen, wird dann jedoch von den Behörden gestellt und ins Gefängnis von Rebbibbia verfrachtet. Dort muss Vallanzasca feststellen, dass er Zelle an Zelle mit seinem alten Erzfeind Turatello sitzt. Die beiden versöhnen sich jedoch und Turatello ist Trauzeuge, als Vallanzasca, nachdem ihn Consuelo verlassen hat, Giuliana Brusa (Federica Vincenti), eine seiner zahlreichen Verehrerinnen, heiratet. Schon einen Tag nach der Hochzeit, die hinter schwedischen Gardinen stattfand, wird Vallanzasca nach Mailand überwiesen, wo ihn der Gerichtsprozess erwartet. Er wird zu einer langen Gefängnisstrafe verurteilt. Doch wieder hat die Justiz die Rechnung ohne den über die Ländergrenzen Italiens hinaus berühmten italienischen Gangsterboss gemacht: Vallanzasca gelingt eine spektakuläre Flucht. Er trifft sich mit Antonella, seiner engsten Vertrauten, die er aus Kinderjahren kennt. Noch ahnen beide nicht, dass das Treffen für beide Folgen haben wird….

Überzeugendes Gangster-Portrait in Überlänge

Placido hat das Leben des Mailänder Gangsters Renato Vallanzasca in einer überzeugenden und intensiven Geschichte verfilmt, ohne Vallanzasca in schwarz-weiß-malerischer Manier auf die Anklagebank zu setzen. In einem spannenden und actionreichen Film, der es mit der Biographie Vallanzascas nicht ganz so genau nimmt, zeichnet der Regisseur nicht nur ein umso eindrucksvolleres Portrait der italienischen Gesellschaft der 70er und 80er Jahre, sondern auch das Bild eines zerrissenen und doch skrupellosen Gangsters, der dem Teufelskreis aus Gewalt, Gefängnisfluchten und ewiger Kriminalität nicht zu entkommen vermag. Einzige Schwachstelle des Streifens: Bei 125 Minuten Filmlänge fragt man sich, ob die letzte halbe Stunde wirklich nötig war. Angesichts der wunderbaren Musik der italienischen Rockband Negramaro, die den Film mal nüchtern-melancholisch und mal melodisch und treibend voranbringt, ist man aber schnell wieder versöhnt. Engel des Bösen – die Geschichte eines Staatsfeindes erscheint am 24.Februar 2011 in den deutschen Kinos.

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