Der Knopf – ein Accessoire mit vielen Gesichtern

Knöpfe erhalten als Accessoires trotz ihrer wichtigen Funktion, ihrer jahrhundertelangen Geschichte und vor allem der Vielfalt an Materialien und Formen nur wenig Aufmerksamkeit. Die Auswahl ist jedoch enorm. Auch wenn Materialien wie Schildplatt, Horn oder Gagalith eine zunehmend untergeordnete Rolle spielen, hatten Knöpfe fast nie nur die Funktion, die Kleidung wind- und wetterfest zu verschließen; sie dienten stets auch als Zierde, wenn nicht gar als Statussymbol ihres Trägers.

Kleine Knopfgeschichte

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts war das Tragen funktioneller Knöpfe ausschließlich Männern vorbehalten. Machart und Verzierung der Knöpfe gaben Aufschluss über den sozialen Status des Trägers: Wer etwas auf sich hielt, trug Knöpfe aus Silber oder Gold, die mit Edelsteinen verziert und von Künstlern entworfen und von Knopfmachern hergestellt wurden.

Das 17. Und 18. Jahrhundert war eine Glanzzeit für den Knopf: Funktionelle und überaus dekorative Knöpfe verzierten Westen und breite Mantelrevers. Grundlage für die Knöpfe waren oft edle Metalle und kostbare Edelsteine. Auch Stoffknöpfe, die mit Spitzen und Stickerei passend zur Kleidung verziert waren, waren sehr modisch und hochwertige Knöpfe wurden damals von berühmten Künstlern wie Watteau oder Boucher und renommierten Porzellanherstellern wie Meissen, Staffordshire und Limoges entworfen. Die Imitation von Halbedelsteinen und Rheinkiesel durch Glas- und Emailleknöpfe verlieh dem Träger der Knöpfe einen luxuriösen Hauch.

Die industrielle Revolution läutete schließlich die Massenproduktion von Knöpfen ein. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren vor allem Silberknöpfe mit gläsernem Einsatz beliebt. Die 20er und 30er Jahre standen dann ganz im Zeichen des Holzknopfs, gefolgt vom Bakelitknopf. Mit ihren prunkvollen und überladenen Goldknöpfen machte Coco Chanel Knopfgeschichte und auch der schlichte Diorknopf wurde zum Inbegriff von Haute Couture. Ab 1950 gab es viele neue Knopfmaterialien: Knöpfe aus Nylon, Leder, Kork und Bast verzierten die Kleidung. Im Zuge eines neuen Umweltbewusstseins in den 80er Jahren lagen natürlich Materialien wie Horn, Steinnuss oder Holz im Trend.

Ein Accessoire, unendliche Möglichkeiten

Ein Großteil aller Knöpfe, die heutzutage dazu beitragen, dass Männerhosen und Hemden verschlossen werden können, ist aus Polyester oder Polyamid. Knöpfe aus diesen Kunststoffen sind hitze- und reinigungsbeständig. Die Farb- und Formenvielfalt ist riesig, außerdem lassen sich Materialien aus der Natur wie Horn oder Perlmutt mithilfe der Kunststoffe einfach imitieren.

Metallknöpfe aus Nickel, Aluminium oder Messing sind mit einer gestanzten oder gravierten Oberfläche versehen. Sie werden in Form gegossen und anschließend poliert und mattiert oder graviert.  Messing- oder Goldknöpfe mit maritimen Symbolen wie Windrosen oder Segelschiffen sind ein Must Have für den stylishen Retro-Blazer im Navy-Style.

Lederknöpfe und Knöpfe aus Lederimitat sind empfindlich gegenüber Feuchtigkeit und wenig scheuerfest. Kaum ein anderer Knopf verleiht Ihrem Blazer, Anzug oder Mantel einen so sportlichen Touch wie der Lederknopf. Besonders schön anzusehen ist der geflochtene Knopf aus Leder, der den Sportswear-oder Countrylook einfach perfekt abrundet.

Holzknöpfe können aus verschiedensten Holzarten gefertigt werden: Lärche, Zeder, Ginko, Blauregen und viele mehr. An legerer Freizeitwirkung wirken geschliffene Kokosnussknöpfe besonders schön – und an den neuen Bermudas aus Leinen kann im Sommer mit solchen Knöpfen schon mal ein echtes Safari-Feeling aufkommen.

An feinen Hemden wirken Perlmuttknöpfe besonders elegant. Die Knöpfe werden aus Muschelschale gewonnen und sind in vielen unterschiedlichen Farbtönen erhältlich. Sie sind besonders hitze- und glanzbeständig und können Jahrhunderte überdauern.

Die Steinnuss aus Ecuador ist die Grundlage für die sehr widerstandsfähigen Knöpfe mit gleichem Namen. Ihre natürliche Maserung verleiht jedem Knopf einen individuellen Marmorierungs- und Schatteneffekt. Knöpfe aus Steinnuss können in jeder beliebigen Farbe eingefärbt werden und finden vor allem Verwendung als Blazer- oder Mantelknopf.

Hornknöpfe sind sehr elegant und natürlich vor allem in der Trachtenmode bekannt und beliebt; sie verzieren jedoch auch so manche Tweed-Jacke und Blazer. Hier ist vor allem der Hirschhornknopf besonders verbreitet, man kann jedoch auch das Horn von Ziege, Rind und Schaf verarbeiten. Besonders originell sind Knöpfe aus Büffelhorn wegen ihrer einzigartigen Maserung.

Knöpfe aus Glas gibt es in großer Formenvielfalt: glatt oder geschliffen, mit bemalten, transparenten oder farbigen Oberflächen. Sie werden vielseitig verwendet, weil sie mit verschiedenen Stoffen harmonieren.

Wer auf der Suche nach dem besonderen Knopf im Internet stöbert, wird auf Händler stoßen, die neben ihrem Knopfwissen umfangreiche Knopfsammlungen präsentieren, die in vielen Jahren entstanden sind und bei denen das ein oder andere antike Schmuckstück dabei ist, wie zum Beispiel bei Paul Knopf oder im Knopfparadies.

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